23.02.2012, 15:42 Uhr | dapd
Langsam schließt die US-Soldatin die Augen, kurz darauf vergräbt sie ihr Gesicht in ihren Händen. Die Anspannung vor dem geplanten Sprung aus dem stark schwankenden Militärflugzeug ist ihr deutlich anzumerken, obwohl sie zwischendurch immer wieder lächelt. "Es ist das siebte Mal", schreit sie als Antwort auf die Frage, wie oft sie schon mit dem Fallschirm abgesprungen ist: "Aber es ist immer noch wahnsinnig aufregend." Nur mit Mühe kommt sie mit ihrer Stimme gegen die vier Propeller der Maschine vom Typ Hercules C-130 an.
Gemeinsam mit 51 anderen Fallschirmjägern ist die Frau am Donnerstagmittag vom US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein zu einer Übung gestartet. Kurz vor dem Absprungort kommt das Zeichen: kein Sprung, der Wind ist zu stark. Nur ein kleiner Teil der Soldaten, die nach der Absage teilweise erleichtert aufatmen, trägt eine amerikanische Uniform. Die meisten leisten ihren Dienst bei der Bundeswehr und tragen das schwarz-rot-goldene Abzeichen auf dem Ärmel. 60 Jahre nachdem die Amerikaner die Air Base in der Pfalz bezogen haben, ist die Kooperation zwischen Deutschen und den US-Streitkräften zu einer engen Partnerschaft gewachsen.
Am 2. März soll das Jubiläum mit einer großen Zeremonie gefeiert werden, zu der sich auch Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) angekündigt hat. Deutschland werde für viele US-Soldaten zur Heimat, sagt Colonel William Ward: "Aus der Partnerschaft entstehen viele langjährige Freundschaften." So gebe es ein deutsch-amerikanisches Footballteam oder gemeinsame Karnevalsfeiern. 50.000 US-Bürger leben seinen Angaben zufolge in der Region rund um Ramstein, mehr als an jedem anderen Ort außerhalb der USA.
Doch nicht nur deshalb hat Ramstein für die Vereinigten Staaten eine besondere Bedeutung, die in den vergangenen sechs Jahrzehnten stetig gewachsen ist. Vor allem die Lage im Herzen Europas verleiht der Air Base eine herausragende Bedeutung. Die Mission habe sich seit dem Ende des Kalten Krieges stark verändert, sagt Ward. Es gebe keinen festen Feind mehr, sondern viele verschiedene Bedrohungen. Zahlreiche Brandherde wie der Nahe Osten, Afghanistan oder Nordafrika seien aufgrund der günstigen geografischen Lage Ramsteins in Mitteleuropa für die Militärs innerhalb sehr kurzer Zeit erreichbar.
Obwohl die US-Streitkräfte in großer Zahl aus Europa abgezogen werden sollen, wird die Bedeutung Ramsteins künftig wohl noch weiter wachsen. Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass die Kommandozentrale für den geplanten NATO-Abwehrschild dort angesiedelt wird. Was das für die dort stationierte Luftwaffe bedeutet, will Ward nicht kommentieren. Er sei kein politischer Entscheidungsträger. Die deutschen und amerikanischen Fallschirmjäger werden aber auf jeden Fall weiter in Ramstein gemeinsam ihre Übungen absolvieren - vorausgesetzt der Wind spielt mit.
dapd
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