13.02.2012, 12:45 Uhr | dapd
Flink tippeln die nackten Füße von Matilda auf einer großen Kugel aus Kunststoff und bringen sie zum Rollen. Mit ausgebreiteten Armen hält die Neunjährige die Balance und rollt durch eine Turnhalle, wo noch etwa ein Dutzend weitere Kinder den sogenannten Kugellauf üben. Der Kurs ist ein Angebot der einzigen Zirkusschule Sachsen-Anhalts. Noch absolvieren die Schüler ihre Trainingseinheiten zwischen festen Mauern. Doch schon bald sollen die Übungskurse in ein Zirkuszelt verlegt werden - wenn auch nur für eine Übergangszeit.
Das 90 Quadratmeter große Zelt sei schon gekauft und werde demnächst aufgebaut, sagt der Geschäftsführer des Vereins für Zirkus und bewegtes Lernen Halle (ZZB), Jürgen Wiehl. In den Osterferien wolle der Verein mit seinen Kindern, dem Jugendzirkus Klatschmohn und dem "Circus Varieté" einziehen. Dann könne in der Manege weiter geübt und auch aufgeführt werden. "Für Mitte April ist die Eröffnungsveranstaltung im Zelt geplant."
In einem Hof der Großen Steinstraße in Halles Innenstadt wurde im Jahr 2000 die Zirkusschule gegründet, die nach eigenen Angaben eine von nur vier Einrichtungen insgesamt in Deutschland ist, die auch Zirkuspädagogik anbietet. In 13 Disziplinen probieren sich aktuell 90 Kursteilnehmer aus.
"Das macht einfach Spaß, vor allem, weil es auch nicht alle können", lacht Matilda. Sie erzählt, dass ihre Mitschüler in der Schule gar nicht glauben könnten, dass sie Zirkusakrobatik beherrsche. Ihre Zwillingsschwester Nele sagt: "Wenn man anfängt, den Kugellauf zu üben, ist es schwierig. Doch dann ist es ganz leicht."
Die 18-jährige Rike Möbius ist schon seit sechs Jahren dabei. Die Bewunderung für das ausgefallene Hobby habe ihr anfangs auch gut gefallen, sagt sie. Inzwischen ist die Gymnasiastin Mittrainerin beim Kugellauf, übt Luftartistik und Jonglage.
Gerne würde sie beruflich im Fach bleiben. Die Lust, "etwas mit Zirkus zu machen", sei da, sagt sie. Die Begeisterung am Zirkusverein und den Kursen sei groß, bestätigt Wiehl. Neben Kindern und Jugendlichen würden sich auch zunehmend Erwachsene für die speziellen Bewegungsangebote interessieren. Die meisten Schüler seien zwischen 12 und 14 Jahren alt, das Mindestalter für die Aufnahme liegt bei fünf.
"Die Kurse sind ausgebucht. Wir platzen eigentlich aus allen Nähten", sagt Wiehl. Die räumlichen Kapazitäten im angestammten Domizil hätten sich nun erschöpft. Zudem sei der bestehende Mietvertrag für das Haus nicht mehr verlängert worden. Ein Umzug sei deshalb unumgänglich. Das Zirkuszelt am Rossplatz sei aber nur eine Interimslösung. "Nur über einen Winter soll das Zelt stehen", sagt Wiehl. Der Verein habe bereits eine neue, feste Heimat im Auge.
Die Zirkusgemeinschaft hat bei einer Zwangsversteigerung bereits ein Gebäude im Paulusviertel von Halle erworben. Dort sei "die beste Lage für die Zirkusschule", meint Wiehl. Noch ist das Haus aber eine Ruine. Bis zum Herbst 2013 sollen dort in einer ersten Bauphase ein Proberaum mit 200 Quadratmetern, Umkleideräume und WC entstehen. Auch eine Kleinkunstbühne mit 200 Sitzplätzen sei geplant sowie ein Zirkuscafé.
dapd
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