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Elektrofahrräder: Vom Oma-Fahrrad zum Spaßprodukt

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Vom Oma-Fahrrad zum Spaßprodukt

05.04.2011, 14:09 Uhr | dapd

Cloppenburg (dapd-nrd). Elektrofahrräder sind längst keine klobigen Vehikel mehr. Schlank, sportlich und modisch kommt die neue Generation der sogenannten E-Bikes oder Pedelecs daher und begeistert damit immer mehr jüngere Menschen. Für die Fahrradindustrie ist die motorunterstützte Fortbewegung ein Umsatzbringer. "Einst als Oma-Fahrrad belächelt, ist daraus ein Spaßprodukt geworden", sagt der Finanzvorstand des Cloppenburger Fahrradherstellers Derby Cycle, Uwe Bögershausen.

Das niedersächsische Unternehmen ist Marktführer bei Elektrofahrrädern. Jedes fünfte in Deutschland verkaufte Exemplar kommt aus Cloppenburg. Wurden dort im Jahr 2007 gerade einmal 2.000 Stück produziert, waren es im vergangenen Jahr schon 44.000. "Wir gehen weiterhin von einem rasanten Wachstum aus. Die Nachfrage der Händler ist enorm", sagt Bögershausen.

Zustimmung bekommt er vom Zweirad-Industrie-Verband (ZIV). Nach dessen Prognose wird sich der Anteil der E-Bikes am Gesamtfahrradmarkt mittelfristig von derzeit 5 auf 15 Prozent erhöhen. Das würde einer Stückzahl von bis zu 600.000 Elektrofahrrädern entsprechen.

Seit der Erfindung des Mountainbikes wurde nach Ansicht des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) nicht mehr so viel über eine Fahrradart gesprochen wie über Elektrofahrräder. Derby Cycle hat sich dafür gewappnet: Mit 18,6 Millionen Euro im Rücken, die der Börsengang Anfang Februar in die Firmenkasse spülte, will das Unternehmen die Marktführerschaft ausbauen und die Entwicklung noch leistungsstärkerer Batterien forcieren. "Mittlerweile sind Reichweiten von 140 Kilometern möglich. Das ist aber noch lange nicht das Ende", prognostiziert Bögershausen.

Zusammengebaut werden die Einzelteile im Stammwerk in Cloppenburg. Die dortigen Produktionsstraßen unterscheiden sich kaum von den Verwandten in der vierrädrigen Automobilindustrie. Einzelteile fahren auf Förderbändern oder an Haken hängend durch die riesigen Hallen. Es wird geschraubt, montiert, lackiert und verpackt.

Heraus kommen neben traditionellen Fahrrädern und den bekannten Elektrofahrrädern für die Generation "60plus" auch trendige Mountainbikes, deren Batterie gerade einmal so groß wie eine Trinkflasche ist und entsprechend getarnt am Unterrohr des Rahmens befestigt wird. "Zielgruppe waren einmal die 60-Jährigen. Jetzt ist sie bei den ab 45-Jährigen und wird noch weiter nach unten gehen", begründet der 37-jährige Börgershausen den Einzug modischer Aspekte.

Eine weitere Ursache des rasanten Wachstums ist der gestiegene Bedarf an umweltfreundlichen Antriebsformen. Vor diesem Hintergrund sieht der ADFC viel Potenzial, um die Mobilität in Innenstädten oder Regionen mit schlechter Verkehrsinfrastruktur vom Auto oder Kleinkraftrad auf das Elektrofahrrad zu verlagern.

Selbst die Touristiker haben schon auf den Trend reagiert. So bietet die Region Weserbergland ab 15. April ein flächendeckendes Netz aus Verleihstationen mit 100 neuen Elektrofahrrädern und Akkuwechsel-Standorten an. Damit soll auch die Erkundung höherer Mittelgebirgslagen kein Problem sein.

Das alles führt dazu, dass Derby Cycle im laufenden Geschäftsjahr ein Wachstum von mehr als 15 Prozent erwartet. Bögershausen, der zuvor bereits den Oldenburger Solaranlagenhersteller aleo solar an die Börse gebracht hatte, freut sich mächtig über diese Entwicklung: "Das sind Wachstumsraten, die die Fahrradindustrie bislang nicht kannte."


dapd  

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