23.11.2011, 14:05 Uhr | dapd
Die Nachricht, die am Montag aus dem Bundestagsinnenausschuss an die Öffentlichkeit drang, war die Schlagzeile des Tages: Vor den Mitgliedern des Ausschusses hatte das BKA von einer möglichen Beziehung zwischen der getöteten Polizistin Michèle Kiesewetter und ihren mutmaßlichen Mördern der rechtsextremen NSU berichtet. Schauplatz soll Oberweißbach gewesen sein, ein kleines Bergdorf direkt am Thüringer Rennsteig, wo die 2007 getötete Beamtin geboren wurde.
In dem kleinen Ort ist die Empörung seitdem riesig. "Es ist uns völlig rätselhaft, was da im Bundestag erzählt wurde. Alle Zusammenhänge, die jetzt in die Welt getragen werden, sind konstruiert", sagt der Vorsitzende der Verwaltungsgemeinschaft Bergbahnregion/Schwarzatal, Bernhard Schmidt.
Gemeinschaftsvorsitzender sieht keine Konkurrenzsituation
Die Darstellung von BKA-Chef Jörg Ziercke, es habe eine Konkurrenzsituation zwischen den Angehörigen Kiesewetters und der Jenaer Neonazi-Szene gegeben, weist Schmidt zurück. Die Familie der getöteten Polizistin habe sich im Frühjahr 2005 als Pächter des Gasthofs beworben, das Vorhaben dann aber aufgegeben, vermutlich, um einen anderen Gasthof zu übernehmen. Bereits 1995 soll es Verhandlungen gegeben haben, die aber ebenfalls ergebnislos verliefen.
Im Oktober 2005, also ein halbes Jahr nach dem gescheiterten Gesprächen, sei der Gasthof dann von einem Pächter aus Jena übernommen worden. Der Mann soll der Schwager von Ralf Wohlleben sein, dem ehemaligen Thüringer NPD-Landesvize. Eine auf Oberweißbach zurückzuführende Verbindung zwischen den Neonazis um die mutmaßlichen Terroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt sowie Beate Zschäpe und der getöteten Polizistin aus Oberweißbach halte er für ausgeschlossen, sagt Schmidt. Eine Konkurrenzsituation habe es nicht gegeben.
Bürgermeister kritisiert BKA
Auch Oberweißbachs Bürgermeister Jens Ungelenk (parteilos) ist empört über das Vorgehen der Ermittlungsbehörden im Fall der mutmaßlichen Zwickauer Terrorzelle. "Es ist unverantwortlich, wenn derartige Halbwahrheiten und Einzeldetails veröffentlicht werden", sagte er dem MDR Thüringen. Durch die Berichte seien "unbescholtene Bürger" ins Kreuzfeuer geraten, kritisierte Ungelenk.
Die Einwohner der 1.800 Einwohner zählenden Gemeinde Oberweißbach weisen die jüngsten Veröffentlichungen ebenfalls zurück. Michèle Kiesewetter habe nie im Ortsteil Lichtenhain gegenüber der Gaststätte gewohnt, sagt eine Anwohnerin. "Das ist einfach gelogen."
"So kommt das tote Mädchen dort oben doch nie zur Ruhe", meint eine andere Einwohnerin mit Blick auf den Friedhof in Oberweißbach, wo die junge Frau begraben liegt.
dapd
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