30.08.2011, 18:21 Uhr | dapd
Saarbrücken (dapd-rps). Nur weniger Tage nach dem Wiederanfahren von Block 2 ist es im französischen Kernkraftwerk Cattenom erneut zu einem Zwischenfall gekommen. Am Montagnachmittag hätten Schwankungen des Wasserniveaus der Dampferzeuger zu einer Schnellabschaltung geführt, bestätigte das saarländische Umweltministerium am Dienstag in Saarbrücken. Eine Gefahr für die Umwelt habe den Angaben zufolge nicht bestanden. SPD, Linke und Grüne nahmen den Zwischenfall dennoch zum Anlass, erneut die sofortige Abschaltung des Kernkraftwerks an der Grenze zu Deutschland zu fordern.
Im Umweltministerium hieß es, man sei am Montag zeitnah vom Betreiber des Kraftwerks, dem französischen Energiekonzern EDF, informiert worden. Weitergehende Informationen über den Zwischenfall habe das Ministerium aber seither nicht erhalten, sagte eine Ministeriumssprecherin auf dapd-Anfrage. Deshalb sei eine Einordnung der Schwere des Zwischenfalls aus saarländischer Sicht derzeit nicht möglich. Block 2 in Cattenom war den Angaben zufolge nach einer Revision und einem Brennelementewechsel erst am vergangenen Freitag wieder angefahren worden.
Der saarländische SPD-Chef Heiko Maas wertete den erneuten Zwischenfall als Zeichen dafür, dass der Betreiber EDF die Anlage "technisch nicht im Griff" habe. Über 60 registrierte Zwischenfälle in den vergangenen zwei Jahren seien Grund genug, die Anlage vollständig abzuschalten.
Auch aus Sicht des Grünen-Landeschefs Hubert Ulrich bestätigt das erneute Vorkommnis, dass die Anlage in Cattenom nicht sicher sei. Die Schnellabschaltung wenige Tage nach Wiederanfahren müsse der französischen Regierung klar machen, dass die EDF "enorme Probleme" beim Betrieb von Cattenom habe, sagte Ulrich.
Die umweltpolitische Sprecherin der Linken, Dagmar Ensch-Engel, fordert Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) auf, bei den französischen Stellen zu intervenieren und darauf zu drängen, dass Cattenom endlich vom Netz genommen werde. Sie erinnerte zugleich daran, dass es zuletzt am 19. Juli durch einen Montagefehler im Kühlsystem zu einem Störfall gekommen sei.
Nach der Atomkatatsrophe von Fukushima hatte sich der Widerstand gegen das französische Kernkraftwerk neu formiert. An Ostermontag hatten rund 5.000 Menschen aus der Großregion SaarLorLux für eine Abschaltung des französischen Atomkraftwerks im Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Luxemburg demonstriert. Im Saarland hatten sich rund 70.000 Menschen an einer Unterschriftenaktion gegen das AKW Cattenom beteiligt. Die Unterschriftenlisten wurden im Mai dem französischen Generalkonsul in Saarbrücken überreicht.
dapd
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