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Fall der Terrorgruppe NSU immer erschreckender und mysteriöser

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Fall der Terrorgruppe NSU immer erschreckender und mysteriöser

23.11.2011, 14:08 Uhr | dapd

Der Fall der rechtsextremen Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) wird in seinem Ausmaß und wegen der unklaren Rolle des Verfassungsschutzes immer erschreckender. Die Gruppe aus Thüringen hatte womöglich auch noch weitere Unterstützer. "Es gibt Hinweise auf weitere Helfer", sagte der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestags, Thomas Oppermann, am Dienstag in Berlin. Weitere Festnahmen gab es bis zum Nachmittag jedoch nicht, wie ein Sprecher der Bundesanwaltschaft auf dapd-Anfrage in Karlsruhe sagte.

Die Neonazi-Gruppierung soll nicht nur für die bundesweite Mordserie an acht Türken und einem Griechen in den Jahren 2000 bis 2006 und dem Mord an einer Heilbronner Polizistin im April 2007 verantwortlich sein. Es gibt nach Angaben des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs (BGH) ausreichende Anhaltspunkte dafür, dass dem NSU auch der Anschlag mit einer Nagelbombe am 9. Juni 2004 in Köln zuzurechnen sei.

Eventuell gehen auf das Konto der Terrorgruppe sogar noch Anschläge in Köln und Düsseldorf, bei denen zwischen 2000 und 2004 mehr als 30 Menschen teils schwer verletzt wurden. So ergab eine Analyse der Bekenner-DVD der Terrorzelle durch das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen, dass es eine mögliche Verbindung zu einem Sprengstoffanschlag auf ein Kölner Lebensmittelgeschäft im Januar 2001 geben könnte. Damals wurde eine junge Deutsch-Iranerin verletzt. Die Bundesanwaltschaft geht hier "greifbaren Hinweisen" nach, wie ein Sprecher am der Behörde auf dapd-Anfrage sagte.

Im Fall des Messerattentats auf den früheren Passauer Polizeichef Alois Mannichl vor fast drei Jahren sehe die Bundesanwaltschaft aber bisher keinen Zusammenhang zur NSU.

Haftbefehl gegen den vierten Mann

Der BGH-Ermittlungsrichter erließ am Montagabend Haftbefehl gegen den bei Hannover festgenommenen 37-jährigen Holger G. wegen Verdachts der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung. Er soll seit Ende der 1990er Jahre mit den übrigen Mitgliedern der NSU in Kontakt gestanden und die Terrorgruppe seit 2007 unterstützt haben.

Mit seinen Ausweispapieren seien Wohnmobile für die Gruppierung angemietet worden, darunter auch das Fahrzeug, das bei dem Mordanschlag auf zwei Heilbronner Polizisten benutzt worden sein soll.

Die Tatwaffe, mit der die Polizistin Michele Kiesewetter im April 2007 in Heilbronn erschossen wurde, ist nach Angaben der Bundesanwaltschaft inzwischen eindeutig identifiziert. Die Waffe war im Schutt der ausgebrannten Wohnung des Terror-Trios in Zwickau gefunden worden, zu dem neben der inhaftierten Beate Zschäpe die aus Thüringen stammenden und am 4. November tot aufgefundenen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos gerechnet werden.

Nach Informationen der "Stuttgarter Nachrichten" (Mittwochausgabe) will Zschäpe an diesem Mittwoch eine umfassende Aussage machen. "Sie will auspacken und berät sich deshalb mit ihrem Anwalt", zitiert das Blatt einen Beamten aus Ermittlerkreisen.

Druck auf Verfassungsschutz wächst

Die Rolle des Verfassungsschutzes in der Mordserie an neun Ausländern wird unterdessen immer mysteriöser. Bei sechs der neun Morde soll nach Informationen der "Bild"-Zeitung (Dienstagausgabe) ein Verfassungsschützer in der Nähe des Tatorts gewesen sein. Dies habe ein Bewegungsprofil der Polizei ergeben. Bei einem Mord in Kassel am 6. April 2006 habe der Agent des hessischen Verfassungsschutzes sogar im Internetcafé des türkischen Opfers gesessen, berichtete die Zeitung, die einen "Geheimdienstskandal" für möglich hält.

Das hessische Landesamt für Verfassungsschutz wollte auf dapd-Anfrage keine Stellungnahme zu dem Zeitungsbericht abgeben. Oppermann sagte in Berlin, nach dem Stand der damaligen Ermittlungen sei festgestellt worden, dass der V-Mann offenbar am Tatort gewesen war. Nach eigenen Abgaben habe er das Café aber vor der Tat verlassen. Der SPD-Politiker forderte von den Verfassungsschutzbehörden in Thüringen und Hessen Akteneinsicht in die Ermittlungen über die Neonazi-Morde.

Zeitung: Verfassungsschützer mit Spitznamen "kleiner Adolf"

Einem Zeitungsbericht zufolge gehört der fragliche hessische Verfassungsschützer selbst zur rechten Szene. Wie die "Mainzer Allgemeinen Zeitung" unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet, ist der Mann für seine rechte Gesinnung bekannt und trägt in seinem Heimatort den Spitznamen "kleiner Adolf". Er gelte als Waffennarr. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung nach dem Mord in Kassel seien damals nicht nur mehrere Waffen, sondern auch Auszüge aus Adolf Hitlers "Mein Kampf" gefunden wurden. Dennoch sei der Mann seit seiner Suspendierung vom Verfassungsschutzdienst weiter in einem hessischen Regierungspräsidium beschäftigt.

Die rechtsextremistische Terrorzelle soll nach Informationen des ARD-Magazins "Fakt" in dem Mieter zweier Zwickauer Wohnungen einen weiteren Unterstützer gehabt haben. Das Magazin berichtete am Dienstag vorab, der in Johanngeorgenstadt lebende Matthias D. sei nach Angaben eines früheren Mitschülers schon seit Jahren Neonazi.


dapd  

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