07.11.2011, 13:57 Uhr | dapd
Nicht nur die lebensfrohen Rheinländer stellen sich auf die fünfte Jahreszeit ein, auch im Schwarzwald wird der Karneval vorbereitet. Bei der Fasnet im Südwesten Deutschlands geht es erdiger zu und durchaus Furcht einflößend: Häufig sind Hexen, Teufel und Geister unterwegs, und ohne Masken läuft dabei gar nichts. Konrad Wernet in Elzach im Schwarzwald schnitzt sie aus Lindenholz - seit 58 Jahren.
"Ich habe inzwischen einige Tausend Masken gemacht", sagt Wernet, der mit 13 Jahren seine Lehre begann. Jetzt hat der 72-Jährige einen Rohling zugerichtet und ihn in den Schraubstock eingespannt. Die Umrisse einer Fratze sind mit Bleistift auf das Holz skizziert, mit Flach- und Hohleisen, Geißfuß und Bohrer wird es bearbeitet, auch das Kerbschnitzmesser darf nicht fehlen. Eineinhalb bis zwei Tage dauert es, bis die Larve - so werden die Masken hier genannt - fertig geschnitzt und bemalt ist. Dann wird sie auf dem Gesicht des Trägers angepasst und geht für rund 200 Euro über den Ladentisch.
Der Holzbildhauer fertigt nach eigenem Entwurf die typischen Elzacher Larven, Fratzenmasken und Langnasen, Füchse und Bären die ihre Zähne zeigen. Auch der böse "Letsch" und der bissige "Gfriss" sind dabei. Jede von Wernets Masken ist ein Einzelstück, aber dabei hält er sich immer an die Tradition. Wie genau es zu den einzelnen Figuren kam, verliert sich meist im Dunkel der Geschichte. "Die Langnase zum Beispiel ist eine alte Maske", sagt Wernet. Sie verkörperte bei Passionsspielen früher den Tod und erinnert an den Pestdoktor, wie man ihn aus Venedig kennt, an Typen der Commedia dell'arte.
Wernets Kundenkreis reicht weit über Elzach hinaus, auch über den Bereich der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Um die 100 Narrenzünfte hätten bei ihm Masken bestellt, berichtet er. Wernet liefert bis hinauf nach Stuttgart oder in die Schweiz hinein. In jüngerer Zeit entstünden viele neue Zünfte, sagt er. Für sie entwirft er, auf der Basis von Sagen oder Geschichten des Heimatortes der Narren neue Figuren, teilweise sogar mit Kostümen. Doch es gibt durchaus Grenzen. "Ich finde es nicht begrüßenswert, wenn ein Halloween-Faktor dazukommt", sagt er.
"Keine Zunft hat eine so große Maskenvielfalt wie die Elzacher", meint der Bildhauer. Die Fasnet hat hier eine lange Tradition, seit 1642 ist sie in den Archiven der Stadt dokumentiert. Der Ort, 26 Kilometer nordöstlich von Freiburg, hat knapp 7.000 Einwohner. Am Rosenmontag tanzen, toben und grollen hier bis zu 2.000 in Rot gekleidete "Schuttig-Narren" unerkannt mit ihren Masken durch die Straßen. Abgenommen werden die Larven nur in einem Hinterzimmer der Gasthäuser, ansonsten ist das streng untersagt. Seine Maske begleitet den Schuttig sein Leben lang und auch das Kostüm wechselt er nicht.
Die Fastnacht war hier früher reine Männersache und Wernet hatte als Kind Angst vor den maskierten Schuttigen, erzählt er. Aber dann ließen sie ihn nicht mehr los. Auch wenn das Spektakel nur knapp drei Tage bis zum Aschermittwoch dauert, findet Wernet es "unheimlich schön". "Das ist ein Fest der Freude und der Lust", sagt er. Und mischt sich jedes Jahr selbst unter die wilde Schar.
dapd
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