17.01.2012, 08:51 Uhr | dapd
In der Gesprächseinladung von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) für Mittwoch sehen die Fluglärmgegner der Rhein-Main-Region ein Hinhaltemanöver vor der Frankfurter OB-Wahl. "Es ist schlechte politische Kultur in unserem Land, gern auch Rückwärtssaltos zu vollführen", rief am Montagabend Michael Wilk vom Bündnis der Bürgerinitiativen (BBI) im Terminal des Frankfurter Flughafens und erntete tosenden Applaus von rund 3.000 Demonstranten. Die Weihnachtspause hat den Zulauf zu den Montagsdemos nicht gebremst.
"Es ist unglaublich, wie da jemand die Nachtruhe entdeckt, der den Flughafenausbau jahrelang mit Gewalt durchgedrückt hat", kritisierte Wilk, immer wieder unterbrochen von wildem Kuhglockengeläut und Trillerpfeifenkonzerten seiner Mitstreiter im Terminal. "Boris Rhein ist noch so ein Vertreter", rief der BBI-Mann. Christdemokrat Rhein, momentan Innenminister, tritt im März als Frankfurter OB-Kandidat an und befürwortete jüngst ein Nachtflugverbot am Flughafen.
"Wir versprechen uns nichts von dem Treffen am Mittwoch", schloss Wilk. Zuvor hatte sich der BBI-Sprecher auch die Sozialdemokraten vorgenommen. An die Zusicherung, am Flughafen werde kein Baum mehr fallen, habe sich die SPD nie gehalten. "Aber die Startbahn West haben sie durchgeprügelt", rief Wilk. Den Bau der Westbahn hatte der damalige Ministerpräsident Holger Börner (SPD) 1981 an das mittlerweile legendäre Baum-Versprechen gekoppelt. "Heuchler, Heuchler!", skandierte die protestierende Menge - eine Vokabel auf die Christ-, die andere auf die Sozialdemokraten gemünzt.
Die Botschaft auf den Plakaten der Demonstranten war klar: "Frankfurt foltert Flörsheim", hieß es, "Stopp dem Terror über Offenbach" oder "Der Himmel gehört nicht dem Flughafen". Die BBI verlangt ein Nachtflugverbot, eine Deckelung der Flugbewegungen und die Stilllegung der im Oktober eröffneten neuen Nordwestbahn. Vorm ersten Sommer nach Inbetriebnahme des hinzugekommenen Rollfelds fürchte er sich schon jetzt, sagte Detlef Hartmann aus Mainz-Oberstadt. "Wir haben ein Reihenhaus, dessen Garten fast minütlich überflogen wird", erklärte der 50-jährige Uni-Professor.
"Wir brauchen eine Deckelung der Starts und Landungen auf dem Flughafen überhaupt", sagte eine 46 Jahre alte Demonstrantin aus Mörfelden-Walldorf. Kein Mensch könne sich auch vorstellen, wie viel Dreck die Flieger verursachen. "Ständig Staub und Schmutz auf den Fenstern", berichtete die Verwaltungsangestellte. "Ich putze fast jeden Tag." Wie schon an den vorangegangenen Terminen zogen die Demonstranten in einem Protestmarsch einmal um die unter der großen Anzeigetafel im Terminal angeordneten Schalter der Airlines. Passagiere standen dort vor geschlossenen Check-ins.
"Wir bedienen Sie gern woanders", half eine freundliche Flughafenmitarbeiterin der Reisenden weiter. "Das hier muss Sie nicht stören."
dapd
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