10.02.2012, 14:14 Uhr | dapd
Er gilt als der Begründer des modernen kritischen Journalismus. Ludwig Börne kämpfte mit geschliffenen Essays und scharfsinnigen Kritiken für Gerechtigkeit und Freiheit und gegen Diskriminierung, Unterdrückung und Antisemitismus.
Ein hartnäckiges Lungenleiden verhinderte ein längeres Schaffen des Mannes, der sich selbst als "Zeitschriftsteller" sah. Der in Frankfurt am Main geborene Börne starb vor 175 Jahren, am 12. Februar 1837, im Alter von nur 50 Jahren in Paris.
Seine Heimatstadt hat Börne zu Lebzeiten nicht viel Glück gebracht. Das muss auch der Frankfurter Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) einräumen: "Ludwig Börne war einer der großen Freigeister der europäischen Kultur, der sich wegen seines scharfen Verstandes und seines heißen Herzens von niemandem, schon gar nicht von den herrschenden Mächten, hat dumm machen lassen. Dass auch Frankfurt ungeachtet seiner lebendigen freiheitlichen Tradition damit Probleme hatte, sollte nicht verleugnet werden."
Mindestens ebenso viele Probleme wie sein scharfer Verstand bereitete Börne aber auch sein jüdischer Glaube. Davon zeugt allein schon sein Name. Denn ursprünglich war der Sohn eines Bankiers am 6. Mai 1786 als Juda Löb Baruch geboren worden. Den Frankfurter Juden wurde seinerzeit das Bürgerrecht verwehrt, zudem wurde ihr Leben durch zahlreiche Vorschriften reglementiert. So verlor er auch 1815 seinen Posten als Rechtssachverständiger bei der Polizei aufgrund seiner Religionszugehörigkeit. Als Baruch daraufhin beschloss, sich eine Existenz als Journalist aufzubauen, benannte er sich aus Angst vor antisemitischer Kritik in Ludwig Börne um und ließ sich auch evangelisch taufen.
Schon während seines Studiums hatte er für die Zeitung "Germanien" Aphorismen veröffentlicht. Nun brachte Börne in Frankfurt sein eigenes Blatt mit dem Titel "Die Waage - eine Zeitschrift für Bürgerleben, Wissenschaft und Kunst" heraus, die allerdings 1821 verboten wurde. Börne schrieb ungeachtet dessen leidenschaftlich weiter für die Ideale der Französischen Revolution. Als ihn 1830 während eines Kuraufenthalts im Taunus die Nachricht von der Julirevolution in Frankreich erreichte, bereitete er begeistert seine Übersiedlung nach Paris vor. Im dortigen Exil schrieb er von 1831 bis 1834 sein politisch-literarisches Hauptwerk, die insgesamt 115 "Briefe aus Paris".
Von eben jenen Briefen war auch der Feuilletonist Michael Gotthelf noch rund 150 Jahre später besonders angetan. "Börne hat sich Zeit seines Lebens auf höchstem sprachlichen und intellektuellen Niveau für Freiheit und Toleranz eingesetzt, Werte, die auch heute noch in Deutschland gefördert werden müssen", sagt der ehemalige Redakteur der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".
Als sich Anfang der 1990er Jahre im Osten Deutschlands die Übergriffe auf Ausländer häuften, kam Gotthelf die Idee, eine Börne-Stiftung zu gründen und einen Preis für besonders gelungene Essays, Kritiken oder Reportagen auszuloben. Seit 1993 wird alljährlich der mittlerweile renommierte Ludwig-Börne-Preis in der Frankfurter Paulskirche verliehen. "Frankfurt steht voll hinter dem Projekt", lobt Gotthelf die Unterstützung der Stadt.
Damit erhält Börnes Geburtsstadt weit nach dessen Tod doch noch die Möglichkeit, etwas für das Ansehen des großen Essayisten zu tun. Ansonsten erinnert neben dem zubetonierten und verkehrsumtosten Börneplatz nur noch eine Gedenkplatte im Frankfurter Anlagenring an den revolutionären Geist. Die Inschrift stammt ausgerechnet von Heinrich Heine, mit dem Börne anfänglich befreundet war, dann jedoch heftig aneinandergeriet: "Er war ein Mensch - ein Bürger der Erde - ein guter Schriftsteller und ein großer Patriot."
dapd
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