11.02.2012, 12:02 Uhr | dapd
Die freien Theater in Sachsen stehen vor großen finanziellen Schwierigkeiten. "Die freie Theaterszene wird knapp bei Kasse gehalten", sagte der künstlerische Leiter des Chemnitzer Festivals "Off 11", Michael-Paul Milow, der Nachrichtenagentur dapd. Schöpferisches Schaffen sei nur unter großer Selbstausbeutung und mit wenigen Mitteln möglich. Milow berichtet, dass es für das Chemnitzer Büro für theatrale Strategien auch jetzt im Februar noch keine Gewissheit gebe, ob es in diesem Jahr städtische Fördermittel erhalte.
"Es scheint immer der Künstler zu verlieren, der mit dem Mangel nicht zurechtkommt", sagte Milow. Zwei der drei professionellen freien Gruppen in Chemnitz wüssten derzeit nicht, ob sie in diesem Jahr ihre Arbeit fortsetzen und ihre künstlerischen Projekte verwirklichen könnten.
Freie Theater chronisch unterfinanziert
Der Geschäftsführer des Vereins zur Förderung des Leipziger Off-Theaters, Dirk Förster, äußerte die Einschätzung, dass die freien Theater in Sachsen chronisch unterfinanziert sind. Der Freistaat und die Stadt Leipzig leisteten nur eine Minimalfinanzierung. Der Verein, der auch das freie Theater Lofft im Leipziger Stadtteil Lindenau betreibt, erhalte im Jahr 245.000 Euro von der Stadt und 40.000 Euro von der Staatsregierung. In Sachsen sei es extrem schwierig, private Förderer und Sponsoren zu finden. "Die wenigen großen Firmen, die hier ansässig sind, betreiben schon Sportförderung und nur selten Kulturförderung", erläuterte Pressereferent Sebastian Göschel.
"Die chronische Unterfinanzierung drückt sich in einer extrem dünnen Personaldecke und massiv untertariflicher Bezahlung der Mitarbeiter aus", sagte Förster. "Wir befinden uns permanent in einem Krisenzustand", ergänzte Göschel. Das freie Theater Lofft habe zum Beispiel nur drei fest angestellte Mitarbeiter, die Künstler würden je nach Produktion engagiert. "Die künstlerischen Produktionen erhalten von uns ein festes Budget", erläuterte Göschel, "in welchem Ausmaß sie ihre Künstler bezahlen, entscheiden sie selbst." Er berichtete, dass in freien Theatern häufig ehrenamtlich und weit über die normale Arbeitszeit hinaus gearbeitet werde.
Jahresverdienst oft unter 10.000 Euro
Eine aktuelle Studie, die der Landesverband der freien Theater herausgegeben hat, macht deutlich, wie gering die Einkommen der Künstler im Freistaat sind. Mehr als die Hälfte der befragten Darsteller verfügt demnach über ein jährliches Einkommen von weniger als 10.000 Euro, bei einem weiteren Viertel sind es pro Jahr zwischen 10.000 und 20.000 Euro.
Die freien Künstler verdienten durchschnittlich 7.570 im Jahr, bei den Festangestellten liege die jährliche Nettosumme bei 17.238 Euro. Die Einkommen der freien Künstler liegen damit unterhalb der Armutsgrenze, die der fest angestellten Darsteller unterschreiten deutlich das durchschnittliche Gehalt der sächsischen Angestellten, das vom Statistischen Landesamt für das Jahr 2010 mit 30.500 Euro brutto angegeben wird.
dapd
Brandenburger schrieb:
am 11. Februar 2012 um 14:16:15
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(1)
finanzielle Schwierigkeiten
Als freier Künstler befinde ich mich seit Jahren in einem permanenten Krisenzustand. Und das ist bundesweit so
mit den Freien Theatern. Kulturelle Angebote werden zunehmend weniger wertgeschätzt. Ein Drama ist das!
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