11.02.2012, 12:08 Uhr | dapd
Die Mehrzahl der 31 freien professionellen Theatergruppen in Sachsen-Anhalt hat keine feste Spielstätte. Zwischen Altmark und Burgenland fehlten für sie zudem Auftrittsmöglichkeiten, kritisierte das Landeszentrum Spiel und Theater. Ein wirtschaftliches Arbeiten sei unter diesen Bedingungen nur in den seltensten Fällen möglich, sagte Geschäftsführerin Katrin Brademann in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd. Das Ensemble Theatrum im Schloss Hohenerxleben und das Theater an der Angel in Magdeburg gehörten zu den Ausnahmen, die über ein eigenes Haus verfügten.
Während im Bundesdurchschnitt Schauspieler in freien Ensembles 10.000 Euro netto im Jahr verdienen, liegt die Gage in Sachsen-Anhalt noch darunter. Für die Akteure bedeute dies, dass sie sich mit einem zweiten oder dritten Job "über Wasser halten" müssten. Nur so können sie ihren eigentlichen Beruf ausüben, sagte die Geschäftsführerin.
Zahl der Ensembles stabil
Brademann nannte es bedauerlich, dass die Gruppen in Sachsen-Anhalt kaum Kontakte zu Kulturhäusern und Theatern fänden. "Wir sind für eine Kooperation offen", sagte sie. Es mangele zwar nicht an der Offenheit der Verantwortlichen in den Kommunen, doch sie hätten kaum finanzielle Spielräume, um Auftritte zu ermöglichen. Freie Theater erwiesen sich aus diesem Grund als besonders mobil. Nur deshalb könnten sie überleben. Vor allem im Sommer reizten sie alle Möglichkeiten für Inszenierungen unter freiem Himmel aus und fänden dafür ansprechende Plätze. Das honoriere das Publikum.
Die Zahl der Ensembles sei zwar seit Anfang der 1990er Jahre relativ stabil, doch sowohl in der Zahl als auch in der Qualität zeige sich eine Stagnation, erklärte Brademann. Sponsoren seien knapp. Die Förderung von Projekten aus Landesmitteln reiche nicht aus. Knapp 400.000 Euro stünden im Jahr durchschnittlich zur Verfügung. Die Vergabe erfolge oft nach dem Gießkannenprinzip und nach starren Prinzipien. Der Landesverband forderte deshalb einen Beirat, der die Verteilung begleiten soll.
Durch den Überlebenskampf bleibe aber kaum eine Chance, innovative Inszenierungen zu entwickeln. Das schwäche die Szene. Nur mit finanzieller Unterstützung könnten die Gruppen auch kleine Produktionen mit einem künstlerischen und ästhetischen Anspruch realisieren, sagte die Geschäftsführerin. Gegenwärtig müssten sie sich bei der Auswahl der Stücke fast ausschließlich an der Rentabilität orientieren. Für Experimente gebe es keinen Raum.
dapd
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