10.11.2010, 13:35 Uhr | DAPD
Rehburg-Loccum (dapd-nrd). Unweit des Steinhuder Meers - Niedersachsens größter See - stehen zwei Männer in Gummistiefeln tief im feuchten Torfboden versunken. Die beiden sind Umweltschützer und haben sich vorgenommen, den Bestand der Amphibien in Niedersachsen zu retten. Neben dem Laubfrosch stehen der Moor-, der kleine Wasserfrosch sowie die Kreuz- und Knoblauchkröte auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Die Tiere sollen in Niedersachsen neuen Lebensraum bekommen, sagt Markus Richter, Projektleiter von Amphikult, Deutschlands größtem Amphibienschutzprojekt. Rund 300 künstliche Laichgewässer will der 46-Jährige deshalb bis Ende 2014 im Auftrag des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) in Niedersachsen anlegen.
Hilfe erhielten die Amphibienschützer schon von Niedersachsens früherem Landesvater Ernst Albrecht, der vor einigen Jahren die Ansiedlung des Laubfrosches am Steinhuder Meer mit Froschlaich aus seinem Garten unterstützt hat. "Auch die Laubfrösche von Herrn Albrecht profitieren jetzt von unseren Teichen", sagt Thomas Beuster, der zusammen mit Richter im Moorgebiet steht. Beuster leitet die Ökologische Schutzstation Steinhuder Meer, die im Auftrag des Nabu die Baggerarbeiten koordiniert.
Der Diplom-Geologe hat die Station 1981 mitgegründet. Damals habe in Niedersachsen langsam ein ökologisches Umdenken stattgefunden und einige Landkreise hätten Bauern Grundstücke abgekauft, um sie unter Naturschutz zu stellen, erklärt Beuster. Zu viele Landwirte hätten die für Amphibien notwendigen Gewässer entwässert oder zugemüllt und so den Rückgang heimischer Arten herbeigeführt. Genau diese Gewässer will Amphikult nun in 15 Gebieten, die sich vom westlichen und östlichen Flachland über die Börde-Region bis in das südniedersächsische Bergland erstrecken, neu anlegen.
Seit dem Projektstart im Januar entstanden bereits rund 20 Teiche. Im nächsten Frühjahr rechnet Diplom-Ökologe Richter mit den ersten Teich-Bewohnern, wenn die Amphibien aus der Winterstarre erwachen. Hauptsächlich die quakenden Männchen werden sich dann in den bis zu 500 Quadratmeter großen Gewässern ansiedeln, während die Weibchen nach dem Laichen weiterziehen. "Als Erster wacht im März der Moorfrosch auf", sagt der 46-Jährige. Dann werde auch etwas für das Auge geboten, wenn sich die Männchen für einige Tage blau färben, um die Weibchen zu beeindrucken.
Doch zuerst müssen die beiden Amphibienschützer die fertiggestellten Teiche auf ihre Froschtauglichkeit hin überprüfen. "Einerseits nicht zu flach, damit sich genügend Wasser darin sammelt. Andererseits aber auch nicht zu tief, damit sich nach Hochwasser keine Fische einquartieren und die Kaulquappen fressen", erklärt Richter. Damit sich die wechselwarmen Tiere in den Teichen wohlfühlen und die Sonne das Wasser erwärmen kann, dürfen die Gewässer zudem nicht von Pflanzen zugewuchert werden. Wichtige Verbündete der Amphibienschützer sind daher Kühe, die an einem Froschteich weiden.
Die Europäische Kommission für Umwelt trägt rund die Hälfte der Kosten des eine Million Euro teuren Projekts. Den Rest teilen sich das Land, mehrere Landkreise sowie die Region Hannover. Für das EU-Förderprogramm Life sei Amphikult aus über 700 Bewerbungen zusammen mit 200 anderen Naturschutzprojekten ausgewählt worden, sagt Frank Vassen, der als zuständiger Kommissionsbeamter die deutschen Life-Projekte betreut.
Zweieinhalb Jahre Planung sind dem Projekt vorausgegangen. Richter ist zuversichtlich, dass am Ende neuer Lebensraum für rund 15.000 Amphibien entstanden ist. "Ich freue mich schon darauf, im Abendlicht mit dem Fahrrad an einem Teich vorbeizufahren und den quakenden Fröschen zu lauschen", sagt er.
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