20.12.2010, 15:02 Uhr | DAPD
Berlin (dapd-bln). Die frühere DDR-Untersuchungshaftanstalt in der Keitelstraße am Alexanderplatz soll als Lernort für politische Bildung umgebaut werden. Zunächst müsse aber der bauliche Zustand untersucht werden, sagte Bildungsstaatssekretärin Claudia Zinke am Montag in Berlin. Der Gefängnistrakt in dem überwiegend vom Bildungssenat genutzten Gebäude bleibe aber erhalten. Wann die Ausstellung eröffnet wird, steht noch nicht fest. Unklar sind zudem Fragen der Finanzierung.
Die Robert-Havemann-Gesellschaft will dazu im Spätsommer nächsten Jahres ein Nutzungskonzept vorlegen. Zinke zufolge sind für die Erstellung des Konzepts 72.000 Euro von Senat und der Bundesstiftung Aufarbeitung zugesichert worden. Erst danach sollen Details zur Ausstellung und deren Umsetzung besprochen werden. Eine öffentliche Nutzung sei aber nicht vorgesehen, erklärte die Staatssekretärin. Das würde die Kosten in die Höhe treiben.
Der Staatssekretärin denkt in erster Linie an einen Lernort für Schüler als mögliche Nutzung. Auf Informationstafeln werde die Geschichte der Polizei in der DDR und des früheren Gefängnisses nachzulesen sein. Zugleich sollen ehemalige Häftlinge zu Wort kommen. Die Ausstellung soll außerdem von Polizeischülern und von der Bundeszentrale für politische Bildung genutzt werden.
Nach Angaben von Tom Sello von der Havemann-Gesellschaft sind die bisherigen Informationen über die Haftanstalt spärlich. "Nach der Wende sind viele Unterlagen vernichtet worden", sagte der Experte. Deshalb suche er ehemalige Häftlinge und Mitarbeiter. Auf sieben Etagen waren in 140 Zellen überwiegend Kriminelle und politische Häftlinge untergebracht. Das Gefängnis wurde Sello zufolge teilweise bis Mitte der 90er Jahre genutzt.
Für die Staatssekretärin ist es "aus heutiger Sicht verwunderlich, weshalb sich nicht früher um das einstige Gefängnis gekümmert wurde". Nach dem Fall der Mauer seien allerdings "andere Dinge" wichtiger gewesen. Mit dem Einzug ihrer Verwaltung im Frühjahr dieses Jahres in das Gebäude habe festgestanden, "dass wir diesen Ort erforschen wollen". Die Untersuchungshaftanstalt ist nach Einschätzung Sellos die einzige vollständig erhalten gebliebene in Berlin.
Das Gebäude war ab 1931 zunächst Sitz der Hauptverwaltung des Warenhauskonzerns Karstadt. 1936 zog dort das Statistische Reichsamt ein. Sello zufolge wurde von der Behörde unter anderem die Judenzählung durchgeführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude zum Polizeigefängnis umgebaut und als Polizeipräsidium genutzt. 1961 hatte Erich Honecker als Sicherheitssekretär des Zentralkomitees der SED den Bau der Mauer in dem Gebäude organisiert. Der Einsatzstab hatte den Angaben zufolge vier Räume im zweiten Stock bezogen.
In dem Gefängnis saßen unter anderen der Lyriker Frank Schöne, der Musiker Achim Mentzel und der Maler Norbert Bisky ein. Die Haftdauer betrug Sello zufolge mitunter mehrere Jahre. Heute nutzen neben der Senatsverwaltung Polizei und das Berliner Immobilien Management Büroräume in dem Gebäude.
DAPD
Attraktive und sportive Mode für Sie und Ihn: kompromisslose Qualität, die überzeugt. zum Special
Zeigen Sie Flagge - alles für die per- fekte EM-Party in Schwarz-Rot-Gold.
von GINGAR.de
Nie wieder offline - endlos surfen & simsen. Nummer mitnehmen und 25,- € sichern. von congstar.de