29.09.2010, 15:50 Uhr | DDP
Berlin (dapd-bln). Die Galeries Lafayette sind nicht die erste Adresse, wenn man ein paar erschwingliche Alltagsklamotten sucht. Das französische Edel-Kaufhaus an der Friedrichstraße in Berlin-Mitte bietet vielmehr auf fünf Etagen erlesene Designerklamotten an. Das Haus hat dieses Image, für das seine Heimatstadt Paris als Modemetropole steht, bislang nach Kräften gepflegt. Am Donnerstag aber veranstalten die Galeries eine Modenschau, die ganz nach Straße riecht: Die 200 Models wurden demokratisch im Internet gewählt, sie präsentieren ihre eigenen Sachen und das Ganze findet unter freiem Himmel statt. Das Motto lautet "La mode c'est vous/Du bist die Mode". Um 18.00 Uhr beginnt die Schau.
Models dafür konnten sich in den vergangenen sechs Wochen auf der Homepage der Galeries bewerben. Besucher durften dann per Mausklick abstimmen, wessen Stil ihnen am besten gefällt. Natacha Voranger hat sich dort gegen mehr als 3.000 Bewerber durchgesetzt. Die 18-Jährige ist ein Beispiel für die modeaffinen Wahlberlinerinnen, die in der Hauptstadt Inspiration für ihren Stil finden. "Ich bin schon mit 15 allein nach Berlin gezogen", erzählt Natacha im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd. Vorige Woche hat sie ein Studium an der Modeschule Esmod begonnen. "Ich wollte etwas Neues entdecken, eine neue Sprache, eine neue Welt." Die junge Frau kommt aus Aix-en-Provence und interessiert sich für alles, was irgendwie mit Mode zu tun hat. "Mode ist für mich wie ein Spiel, es ist meine Passion, meine Leidenschaft."
Dabei geht es ihr, wie auch den anderen Bewerbern, in erster Linie um die Suche nach dem ganz persönlichen Stil. Auch die 25-jährige Maria aus Berlin, die ein Foto von sich in Pastelltönen auf die Voting-Seite gestellt hat, sagt: "Ich achte nicht auf Trends, lasse mich aber gern inspirieren." Saruul, die bei der Schau ebenfalls mitläuft, findet: "Stilbewusstsein heißt für mich, sich nicht zum Sklaven von Trends zu machen." Und Modeblogger Michael Hastreiter, der sich unter dem Pseudonym "Hugo Hase" beworben hat, kritisiert mangelnde Individualität bei der Klamottenwahl: "Das gängige Erscheinungsbild auf den Straßen ist so trist; bestimmt von praktischen, bequemen, zu sportiven Looks."
Vorbei scheint die Zeit, in der man sich an den neuesten Entwürfen der wichtigen Designer orientierte: Mode muss zu einem passen, sonst passt sie nicht. Natacha beschäftigt sich schon lange mit der Frage nach gutem Stil, wie sie sagt. In Berlin findet sie Inspiration: "Ich verstehe Mode als Kunst. Nur dass man das Kunstwerk auf der Haut tragen kann." Als Fashion Victim sieht sie sich nicht: "Ich mag das Unzeitgemäße, was nie altmodisch wird." Letztlich könne man fast alles tragen; solange man wisse, wie.
Damit die Show trotz vieler unterschiedlicher Persönlichkeiten noch professionell aussieht, wird Berliner Modeprominenz nachhelfen. Udo Walz kümmert sich um die Frisuren, in der Jury sitzt unter anderen der Designer Michael Michalsky. Ein Glitzersteinhersteller lässt durch das Model Franziska Knuppe ein Collier überreichen.
Davor, dass der Street Style das Verlangen der Kunden nach teureren Stücken schmälern könnte, hat man in den Galeries jedoch keine Angst. In der Presseabteilung heißt es, Flohmarktchic vertrüge sich ganz ausgezeichnet mit den edlen Stoffen, die das Haus anbietet: "Der Trend geht doch sowieso dahin, Vintage und Designerstücke zu kombinieren." Wie man das genau macht, das kann man natürlich nur auf der Straße lernen. "Die Idee ist es, die Mode zu demokratisieren und das Wort an unsere Kunden und stilbewusste Leute im Allgemeinen zu geben", sagt Galeries-Geschäftsführer Alexandre Liot. "Wir wollen Alltagsmode in den Mittelpunkt stellen." Diese so ganz und gar nicht elitäre Idee kommt ausgerechnet aus - Paris.
dapd
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