18.06.2011, 10:25 Uhr | dapd
Frankfurt/Main (dapd). Der gefährliche Typ des EHEC-Erregers breitet sich offenbar doch noch aus. Wie das hessische Umwelt- und Sozialministerium am Freitagabend mitteilte, ist der Ereger jetzt in einem Bach in Frankfurt am Main nachgewiesen worden. Es bestehe aber keine Verbindung zwischen dem Fließgewässer und der Trinkwasserversorgung, betonte die Behörde.
Die positive Probe mit dem EHEC-Erreger des Typs O 104:H 4, der die schwere HUS-Verlaufsform auslösen kann, wurde im Erlenbach im Nordosten der Stadt entnommen. In der Nachbarschaft davon war Mitte der Woche auf dem Salat eines Gemüsehofes ein harmloserer EHEC-Erreger festgestellt worden. Dieser soll mit dem Waschwasser des Betriebs auf den Salat gekommen sein. Im Zuge der verstärkten Kontrollen wurden auch dem Bach Proben entnommen, in denen jetzt der gefährlichere Erreger nachgewiesen wurde.
Die Gefahr einer Kontamination des Trinkwassers bestehe aber nicht, sagte die Sprecherin des Sozial- und Gesundheitsministeriums in Wiesbaden, Susanne Andriessens. In dem Bach seien auch bei früheren Proben in den vergangenen Jahren hin und wieder Keime gefunden worden, darunter auch EHEC-Erreger. Dies sei bei einem Oberflächengewässer nicht ungewöhnlich.
Am Freitag wurden den Angaben zufolge erneut Proben aus dem Erlenbach entnommen und zur Untersuchung versandt. Mit dem Ergebnis sei in zwei bis drei Tagen zu rechnen, hieß es weiter.
Vom Baden in Bächen und Flüssen grundsätzlich abgeraten
Gründe für die Belastung des Wassers mit dem Keim sind nach Einschätzung der beiden Ministerien vielfältig. Da die Proben in der Nähe einer Kläranlage entnommen wurden, sei nicht auszuschließen, dass er von dort in das Bachwasser kam. Generell verminderten Kläranlagen die im Abwasser enthaltenen Keime. Doch damit sei das gereinigte Abwasser nicht hygienisch unbelastet. Deshalb werde auch in Hessen vom Baden in Bächen und Flüssen grundsätzlich abgeraten. Auch zum Trinken sei deren Wasser ungeeignet.
Wie das Umweltministerium mitteilte, sind die an den Erlenbach angrenzenden Höfe von dem Fund informiert worden. Zwei dieser Höfe hätten Entnahmegenehmigungen für den Bach. Diese bezögen sich aber auf Kartoffeln, Zuckerrüben und Stärkekartoffeln, die derzeit nicht erntereif sind, sagte der Sprecher des Umweltministeriums, Thorsten Neels. Da nicht auszuschließen sei, dass Kleingärtner das Wasser verwendet haben, würden diese aufgefordert, mit Wasser aus dem Erlenbach gewässerte Produkte nicht zu verzehren.
Wie Neels der Nachrichtenagentur dapd sagte, dürfen die in den beiden Höfen mit Entnahmegenehmigungen gewässerten Produkte nicht verkauft werden. Auch würden dort vorsorglich weitere Proben gezogen.
Mit EHEC infizierte Frau übertrug Darminfektion
Der jetzt in Frankfurt gefundene Keim vom Typ O 104:H 4 kann den Angaben zufolge zu schweren Darminfektionen des Menschen führen, wenn eine ausreichende Menge davon aufgenommen wird. Ob überhaupt bedeutende Mengen davon in Fließgewässern erreicht werden, sei unklar.
Zuvor war bekannt geworden, dass eine mit EHEC infizierte Mitarbeiterin eines nordhessischen Partyservices 20 Teilnehmer einer Familienfeier im niedersächsischen Landkreis Göttingen mit der Krankheit angesteckt hat. Die Frau habe das Essen mit zubereitet und dabei offenbar den Keim übertragen, teilte das Sozialministerium mit.
Obwohl die Frau zum Zeitpunkt der Feier vor etwa vier Wochen den Angaben nach bereits mit EHEC infiziert war, hatte sie noch keine Symptome. Wenig später sei sie jedoch an der von EHEC verursachten schweren Krankheit HUS erkrankt. Bei der Familienfeier mit 70 Teilnehmern aus ganz Deutschland waren 20 an EHEC erkrankt, bei drei Menschen entwickelte sich HUS. Acht der Erkrankten stammen aus Hessen.
dapd
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