06.10.2011, 15:45 Uhr | dapd
Mecklenburg-Vorpommern steuert nach Einschätzung von Klinikchefs einer beträchtlichen Unterversorgung älterer Patienten entgegen. Daher müssten im Landeskrankenhausplan 2012 geriatrische Fachabteilungen gefördert werden, verlangte der Vorsitzende des Landesverbandes der Krankenhausdirektoren, Falko Milski, am Donnerstag auf einer Tagung in Sellin auf Rügen.
Er verwies darauf, dass im Nordosten Deutschland nur eine einzige akutmedizinische geriatrische Einrichtung im Klinikum Wismar besteht. Dagegen gebe es in Nordrhein-Westfalen 65 solche Abteilungen. "Gerade aber Mecklenburg-Vorpommern mit seiner immer mehr alternden Bevölkerung wird in den nächsten Jahren eine deutlich stärkere fachärztliche Notarztbetreuung für Senioren benötigen", betonte Milski.
Daher müssten Land und Bund wesentlich mehr Geld für Fachpersonal, technische Ausrüstungen und ärztliche Weiterbildung in der Geriatrie bereitstellen. Für kurzfristige Entlastung könnte zudem eine engere Kooperation der 40 Krankenhäuser mit ambulanten Arztpraxen, den 63 Rehabilitationskliniken und den Hospizen sorgen.
Zwtl.: Nordosten hat vierthöchste Krankheitslast aller Bundesländer
Nach einer Untersuchung der Barmer-Krankenkasse gehört Mecklenburg-Vorpommern schon jetzt zu den Bundesländern mit der höchsten sogenannten Krankheitslast bei älteren Menschen. Nur in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt ist der Anteil der 80 häufigsten chronischen Erkrankungen bei Senioren noch höher.
Anderen Studien zufolge wird zudem die Zahl der Menschen im Alter über 60 Jahren im Nordosten Deutschlands überdurchschnittlich steigen. Ursache dafür sind die Abwanderung junger Leute, Geburtenrückgang, der verstärkte Zuzug älterer Menschen und die natürliche Alterung der Bevölkerung.
Auf der noch bis Freitag dauernden Herbsttagung wollen die Landes-Klinikdirektoren auch über verstärkte Anstrengungen bei Infektionsschutz und Hygiene beraten. Zwar verfügten die nach der Wende neu errichteten oder komplett sanierten Kliniken in Mecklenburg-Vorpommern über einen hohen Sicherheitsstandard, sagte der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft, Wolfgang Gagzow. Doch angesichts der weltweit zunehmenden Probleme mit multiresistenten Krankheitserregern seien technologische und organisatorische Veränderungen dringend erforderlich.
Zwtl.: Isolation auf der Intensivstation
So müssten Notaufnahmen und Intensivstationen so ausgestattet werden, dass Patienten mit multiresistenten Erregern isoliert werden könnten, um Ansteckungen bei anderen Patienten, Personal und Besuchern zu verhindern. Zudem müssten die Patientenchecks bei der Klinikaufnahme auf ambulante Einrichtungen ausgedehnt werden.
Kritik übten die Teilnehmer der Tagung an dem 2012 bundesweit in Kraft tretenden Versorgungsgesetz der gesetzlichen Krankenversicherer. Die Deckelung der Klinikbudgets bei explodierenden Kosten müsse endlich abgeschafft werden, forderte Gagzow. Stattdessen sollten gleiche Preise für gleiche Leistungen im gesamten Bundesgebiet festgesetzt werden.
dapd
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