10.02.2012, 16:37 Uhr | dapd
"Ich bin doch kein Raser", beteuert der junge Autofahrer aus Solingen, als die Düsseldorfer Polizei ihn am Freitag an der Universitätsstraße in Bilk die Kelle zückt. Mit 44 Stundenkilometern war er in der Tempo-30-Zone unterwegs. Eine Ausrede wie diese hören die Beamten an diesem Vormittag nicht zum ersten Mal. Seit 9.00 Uhr sind sie im Rahmen des landesweiten 24-stündigen "Blitz-Marathons" Geschwindigkeitssündern auf der Spur.
Mit zwei Einsatzwagen haben sich vier Beamte bei eisigen Temperaturen hinter der Mensabrücke positioniert. Zwei von ihnen sind für das Lasermessgerät zuständig. "Einer guckt rein, einer protokolliert. Damit sind wir beweistechnisch auf der sicheren Seite", erklärt Oberkommissar Norbert Schmidt.
Ein Fußgängerüberweg und eine Bushaltestelle sind ganz in der Nähe. "Dort sind schon viele Studenten angefahren worden", sagt Ludger Walther, Leiter des Verkehrsdienstes. Darum zählt die Universitätsstraße auch zu einer der 100 Kontrollstellen im Düsseldorfer Stadtgebiet, 1.400 sind es in ganz NRW.
Es herrscht nicht übermäßig viel Verkehr an diesem Morgen, doch der Aufwand der Beamten lohnt sich. Sieben Verkehrssünder ziehen sie innerhalb von zwei Stunden aus dem Verkehr. Sie alle überschreiten das vorgeschriebene Tempo 30 um weniger als 20 Stundenkilometer und kommen mit einem Bußgeld von 25 Euro davon. Den Raserrekord schießt an diesem Morgen ein Autofahrer in Derendorf ab. "Er war an der Toulouser Allee mit 91 statt der erlaubten 50 Stundenkilometer unterwegs", berichtet Walther. Macht immerhin 200 Euro Bußgeld, vier Punkte in Flensburg und einen Monat Fahrverbot.
Doch es sind in erster Linie gar nicht die extremen Raser, die die Polizei im Visier hat. Hintergrund des "Blitz-Marathons" ist die deutlich gestiegene Anzahl an Verkehrstoten im Jahr 2011. 13 Prozent mehr waren es bei den Radfahrern, unter den Fußgängern war sogar ein Zuwachs von 51 Prozent zu verzeichnen.
Und dafür sind oft vermeintlich geringe Geschwindigkeitsüberschreitungen verantwortlich. "Hier wollen wir etwas in den Köpfen verändern und die Leute wach rütteln", sagt Polizeisprecher Markus Niesczery. Wer etwa in einer Tempo-30-Zone mit 50 Stundenkilometern unterwegs ist, kann den Bremsweg erst dann einleiten, wenn ein vorschriftsmäßig fahrender Autofahrer seinen Wagen schon zum Stehen gebracht hat. "Prallt ein Auto mit 65 Stundenkilometern auf einen Fußgänger oder Radfahrer, hat das in acht von zehn Fällen tödliche Folgen, bei 50 Stundenkilometern überleben dagegen acht von zehn Unfallopfern", erklärt Niesczery.
An diesem Wissen und der entsprechenden Einsicht aber fehlt es offenbar vielen Autofahrern. An Ausreden dafür nicht. "Ich fahre seit Jahren hier entlang. Das Tempo-30-Schild habe ich noch nie gesehen", behauptet ein älterer Mann aus Mettmann, der auf dem Weg zu einer Vorlesung in der Uni ist und mit 44 Stundenkilometern geblitzt wird. Er dreht tatsächlich eine Extrarunde, um sich von der Existenz des Verkehrsschilds zu überzeugen. Doch auch danach zeigt er sich beratungsresistent. "Ich sehe die Tempobeschränkung hier nicht ein", erklärt er den verdutzten Beamten.
Gegen Mittag beenden die Beamten dann ihren Einsatz an der Universitätsstraße. "Wir wollen nicht zu lange an einem Ort sein, sondern flächendeckend arbeiten", sagt Niesczery. Dafür sind 250 Beamte noch bis Samstag früh um 6.00 Uhr in Düsseldorf im Einsatz. Wo sie Stellung beziehen, ist kein Geheimnis. Eine komplette Liste der Kontrollorte findet sich im Internet unter http://www.24h-blitz-marathon.de. Wann die Beamten dort auf der Lauer liegen, bleibt aber eine Überraschung.
dapd
Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

Attraktive und sportive Mode für Sie und Ihn: kompromisslose Qualität, die überzeugt. zum Special
Zeigen Sie Flagge - alles für die per- fekte EM-Party in Schwarz-Rot-Gold.
von GINGAR.de
Nie wieder offline - endlos surfen & simsen. Nummer mitnehmen und 25,- € sichern. von congstar.de