29.09.2011, 11:53 Uhr | dapd
Das Publikum einer Preisverleihung teile sich in mehrere Gruppen, sagte Moderator Thomas Gottschalk. Da gebe es die Preisträger und die Laudatoren und dann eben noch diese andere Gruppe, "die prominente Schwenkmasse für die Kameras". An Frank Elstner gerichtet sagte Laudator Gottschalk: "Ich bin nicht sicher, ob ich es ohne ihn überhaupt in die Schwenkmasse geschafft hätte." Am Mittwochabend wurde Elstner bei der 17. Verleihung des Medienpreises Goldene Henne in Berlin für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
Gottschalk würdigte seinen Vorgänger bei "Wetten, dass..?" als einen Moderator, der noch nach Jahrzehnten die Herzen des Publikums berühre. Er hoffe, dass Elstners Lebenswerk noch lange nicht abgeschlossen sei. Wie groß seine eigene Bewunderung für Elstner sei, könne man daran erkennen, dass er sich auf die Laudatio gut vorbereitet habe. "Das mache ich fast nie", scherzte Gottschalk vor etwa 1.600 Gästen im Musical-Theater am Potsdamer Platz. Nach 16 Jahren im Friedrichstadtpalast war die Goldene Henne dorthin umgezogen.
In diesem Jahr waren die meisten Preisträger bis zuletzt geheim gehalten worden. Auch der Jurypreis in der Kategorie Politik wurde erst in der fast dreistündigen Live-Sendung vergeben. Berlins Regierender Bürgermeister, Klaus Wowereit (SPD) nannte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble einen wichtigen "Architekten der deutschen Vereinigung". "Er ist oldschool, aber nicht von gestern", begann Wowereit betont locker seine Laudatio, um dann ernstere Töne anzuschlagen. "Der Mann kämpft für Europa, aus ganzem Herzen", sagte Wowereit und forderte in der Schuldenkrise ein "Mehr an Europa".
Schäuble dankte Wowereit für dessen "leidenschaftliches Plädoyer" für die europäische Einigung. "Ich hoffte, wir könnten es morgen bei der Bundestagsdebatte einspielen", sagte der CDU-Politiker mit Verweis auf die für diesen Donnerstag geplante Abstimmung des Bundestages über die Ausweitung des Euro-Rettungsschirms. Dann gab sich auch Schäuble humorvoll. Berlin habe sich als Stadt so gut entwickelt, dass sie nun sogar eine rot-grüne Koalition verkrafte, sagte er.
Einen bewegenden Moment der Gala markierte die Preisverleihung in der Kategorie Zivilcourage. Der deutsche Urlauber Marcel Gleffe hatte beim Massaker auf der norwegischen Insel Utøya 24 Jugendliche gerettet. Nun nahm er die 3,5 Kilogramm schwere Bronzeskulptur aus den Händen von Peer Anders Torvik Langerod entgegen. Der junge Norweger zählte zu jenen jungen Leuten, die der 32-jährige gebürtige Mecklenburger in sein Motorboot gezogen hatte. Gleffe war sichtlich gerührt.
Moderiert wurde die Gala, die live im Fernsehen und auf einer Leinwand auf dem Theatervorplatz gezeigt wurde, in diesem Jahr von Ruth Moschner. Zu den weiteren Preisträgern der insgesamt zehn Kategorien zählten unter anderen die Schauspieler Jan Josef Liefers und Axel Prahl, Schlagersängerin Andrea Berg und Moderator Kai Pflaume. Bis alle Hennen verteilt waren, hatte sich Moderatorin Moschner zum dritten Mal umgezogen.
dapd
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