08.12.2010, 16:04 Uhr | DAPD
Berlin (dapd-bln). Gold boomt: Wegen steigender Preise ist auch der Schmuckankauf "explodiert", wie Ankäufer berichten. Täglich kommen im Schnitt 10 bis 20 Privatpersonen zum Goldankäufer Exchange AG in Berlin, um ihren Schmuck oder alte Uhren für Bares loszuwerden. In der Vorweihnachtszeit sogar doppelt so viele, wie Mitarbeiterin Susanne Kleemann am Dienstag sagt. Es werde wie an der Börse spekuliert: Eine Veräußerung von 10 bis 20 Goldunzen geschehe nicht aus der Not heraus.
Vor gut drei Jahren, als Kleemann in der Filiale anfing, war das Edelmetall nur beinahe halb so viel wert, erinnert sich die 47-Jährige. 25 Euro bekam man damals für das Gramm Feingold, heute liegt der Kurs bei 34 Euro. Eine Feinunze, eine 31,10 Gramm schwere Münze aus reinem Gold, war vor der Wirtschaftskrise noch 600 Euro wert, mittlerweile über 1000 Euro. "Die Kurse werden auch weiter steigen", glaubt Kleemann.
Der Laden der Exchange AG mitten in der Friedrichstraße - nebenan "Coiffeur Jean Luc Paris", gegenüber dem Kulturkaufhaus Dussmann - ist eine von acht Filialen in Berlin. In den Schaufenstern wird Schmuck mit kleinen roten Preisschildern angepriesen: etwa eine Goldkette für 750 Euro, eine Perlenkette für 990 Euro, der günstigste Goldring für 69 Euro. "Edelschmuck extrem preiswert" und "Unikate bis zu 50 Prozent reduziert" wird auf roten Plakaten geworben.
Innen wirkt der Laden auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Juwelier. Hell beleuchtete Vitrinen präsentieren schicken Schmuck. Bloß links davon fällt eine Reihe von fünf verglasten Schaltern auf, wie man sie aus Banken kennt. An einem von ihnen tauscht ein amerikanischer Tourist gerade Dollar in Euro ein. Die Exchange AG vereint Wechselstube, Pfandleihe sowie An- und Verkauf von Goldschmuck und Uhren. Das 1997 gegründete Unternehmen hat bundesweit 16 Filialen, neben Berlin etwa in Düsseldorf, Frankfurt am Main, München oder Stuttgart.
Ein junger Mann kommt mit seinem Freund herein, in der Hand ein durchsichtiges Plastiktütchen mit Goldschmuck. Drei Ringe und eine Goldkette will er für einen Monat verpfänden, bis das nächste Gehalt kommt. Der eine Ring habe etwa 400 Euro gekostet und war ein Geschenk seiner Mutter, erzählt der Auszubildende. Diese sei aber mit der Verpfändung auf Zeit einverstanden. Für alle vier Schmuckstücke bekomme er vielleicht 80 Euro, schätzt der Berliner. Davon will er sich einen Internetstick für seinen Computer kaufen. Wenn er das Geld einen Monat später zurückbringt, zahle er 2,50 Euro drauf: "Das ist ein fairer Preis."
Pfandleihe und Goldankauf entstünden aber keineswegs nur aus einer finanziellen Notlage heraus, spricht Ankäuferin Kleemann aus Erfahrung. Oft handele es sich bei ihren Kunden um Frauen, die hören oder lesen, dass der Goldpreis gestiegen sei. Ein Blick ins Schmuckkästchen sortiere dann aus, was nicht mehr gefällt und getragen wird. Manchmal werde die alte Kette auch gleich durch eine neue ersetzt. Die Kundschaft sei aber breit gefächert, und es seien alle Altersklassen, Schichten, Berufszweige vertreten. Das Beleihungsgeschäft werde nicht nur durch arme Schlucker belebt, die den letzten Ring veräußern. Auch Geschäftsleute, die Rechnungen in Vorkasse zahlen müssten, kämen mit ihren goldenen Uhren.
Für ein Schmuckstück wird in der Exchange AG bis zu 90 Prozent des Schmelzwertes gezahlt. Bei einem Kurs von 34,17 Euro für das Gramm Feingold liege man bei einem verarbeiteten 750er-Gold mit Nebenmetallen bei 20 Euro pro Gramm. Bei gut erhaltenen Schmuckstücken, die man weiterverkauft werden könnten, gebe es auch mal einen höheren Erlös. Bei Markenschmuck, etwa von Cartier, gehe es hingegen nicht nur nach dem Material. Am einfachsten sei es in diesem Fall, wenn der Kunde die Originalrechnung dabei habe. Ansonsten reichten die Beträge von zehn Euro bis in den fünfstelligen Bereich: 10.000 Euro für ein hochwertiges Collier komme durchaus vor, erzählt Kleemann.
Die Mitarbeiter gehen mit den Kunden in eine abgetrennte Kabine. Dort wird, nachdem der Schmuck abgewogen, begutachtet und bewertet wurde, ein Angebot gemacht. Angefangen von den kleinsten Ohrsteckern werde alles angekauft, sagt Kleemann. Da sei auch mal Piercing-Schmuck dabei. Der skurrilste Ankauf war ein Penisring aus Gold. Der war sehr schwer, erinnert sich die Angestellte. Einige hundert Euro habe der Verkäufer dafür bekommen.
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