28.02.2011, 17:04 Uhr | dapd
Heilbronn (dapd-bwb-bwb). Greenpeace hat am Montag gegen den umstrittenen Atommeiler Neckarwestheim I protestiert. Aktivisten der Umweltschutzorganisation besetzten einen Kühlturm des Kernkraftwerks und spannten ein Banner mit einem Totenkopf auf, wie ein Sprecher der Organisation sagte. Ein weiteres Banner mit der Aufschrift "Atomkraft schadet dem Ländle" wurde ebenfalls entrollt.
Laut Polizei Heilbronn gelangten die Kernkraftgegner mit Schlauchbooten an die Umzäunung und verschafften sich unerlaubten Zutritt. Ein Wachmann des Sicherheitsdienstes wurde leicht verletzt.
Rund 28 Aktivisten kletterten auf den Kühlturm und ketteten sich an. Spezialkräfte der Polizei begannen am Vormittag, den Kühlturm zu räumen, der laut Polizei nicht dem besonders gesicherten Bereich zuzuordnen ist. 53 Personen wurden festgenommen. Die Aktivisten müssten sich wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung sowie Hausfriedensbruchs verantworten. Die Polizei war mit 194 Beamten im Einsatz.
Mit der Aktion will Greenpeace darauf aufmerksam machen, dass der Meiler aus Sicht der Umweltaktivisten unsicher und veraltet ist. Der Reaktor Neckarwestheim 1 habe im Januar eine Laufzeitverlängerung von acht Jahren erhalten. Notwendige Sicherheitsnachrüstungen, die der Betreiber beantragt habe, seien jedoch nicht vorgenommen worden, kritisierten die Umweltschützer.
Vergangene Woche hatte Greenpeace die baden-württembergische Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) in diesem Zusammenhang kritisiert und die Abschaltung des Werks gefordert.
Der Betreiber des Kernkraftwerks, der Energiekonzern EnBW, hielt dagegen, verschiedene internationale Experten hätten dem Meiler wiederholt ein hohes Sicherheitsniveau bescheinigt. Der Anlagenbetrieb ist den Angaben der EnBW zufolge durch die Aktion nicht gestört. Es handele sich um einen "weiteren untauglichen Versuch von Greenpeace, das Kernkraftwerk Neckarwestheim in der Öffentlichkeit zu diskreditieren", sagte eine Unternehmenssprecher.
Der Grünen-Energieexperte Franz Untersteller begrüßte die Aktion. Er forderte, Neckarwestheim I vom Netz zu nehmen. Im Fall einer Regierungsbeteiligung der Grünen werde man alles daran setzen, dass der in weiten Teilen nicht mehr dem Stand von Wissenschaft und Technik entsprechende Reaktor stillgelegt werde.
Zudem werde eine Landesregierung unter Beteiligung der Grünen der Verfassungsklage von fünf Bundesländern gegen die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke beitreten, kündigte Untersteller an. "Für uns steht außer Frage, dass die Laufzeitverlängerung nicht ohne Mitwirkung des Bundesrates hätte beschlossen werden dürfen", sagte er.
dapd
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