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Hochtief gibt Abwehrkampf gegen ACS verloren

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Hochtief gibt Abwehrkampf gegen ACS verloren

12.04.2011, 09:23 Uhr | dapd

Essen (dapd). Deutschlands größter Baukonzern Hochtief gibt den Abwehrkampf gegen den spanischen Baukonzern ACS endgültig verloren. Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter, der im Monate langen Ringen um die Selbstständigkeit des Unternehmens eine Schlüsselrolle gespielt hatte, scheidet mit dem Ende der Hauptversammlung am 12. Mai aus dem Konzern aus.

Nachfolger als Konzernchef wird der bislang für Hochtief Europa zuständige Unternehmensvorstand Frank Stieler, wie der Konzern am Montag mitteilte. ACS begrüßte die Ernennung Stielers als "hervorragende Wahl" und sagte dem künftigen Konzernchef bereits seine volle Unterstützung zu.

Lütkestratkötter begründete sein Ausscheiden mit dem durch den Abwehrkampf beschädigten Vertrauensverhältnis zwischen ihm und ACS. "Es ist wichtig, dass ein Vorstandsvorsitzender im Amt ist, der das volle Vertrauen des Großaktionärs hat. So ist das einfach", sagte er. Die Trennung erfolge aber im besten Einvernehmen. "Hier gibt es kein böses Blut."

Der 60-jährige Manager erhält nach eigenen Angaben eine Abfindung in Höhe von 4,08 Millionen Euro. Dies entspreche der in seinem Vertrag vorgesehenen Regelung bei einer Kündigung wegen eines Wechsels des Mehrheitsgesellschafters, sagte Lütkestratkötter.

Der Manager wird Hochtief nach Unternehmensangaben weiter als Berater zur Verfügung stehen. Der Konzern und sein Großaktionär ACS legten Wert darauf, die internationale Erfahrung des Managers auch künftig weiter zu nutzen, hieß es in einer Erklärung des Unternehmens. Der Manager selbst betonte, die Beratertätigkeit sei für das Unternehmen kostenlos. "Ich nehme dafür nicht einen Euro."

IG-BAU-Chef und Hochtief-Aufsichtsrat Klaus Wiesehügel stellte Lütkestratkötter ein positives Zeugnis aus. "Er hat den Wert des Konzerns während seiner Amtszeit fast verdreifacht und einen guten Job gemacht", sagte Wiesehügel der "Rheinischen Post" (Dienstagausgabe). Lütkestratkötters gravierendster Fehler sei die Vernachlässigung des Europageschäfts gewesen. Ein glänzende Position in Europa hätte die feindliche Übernahme durch ACS verhindern könnten, betonte Wiesehügel.

Mit dem Abgang von Lütkestratkötter dürfte der Übernahmekampf endgültig entschieden sein. ACS hält nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 41 Prozent der Hochtief-Aktien und dürfte damit bereits auf der Hauptversammlung über eine Mehrheit verfügen. Der Konzern will nach eigenen Angaben seine Beteiligung kurzfristig auf über 50 Prozent aufstocken. Dies wird ihm durch den aktuellen Kursverfall der Hochtief-Aktie noch erleichtert.

Bis 16.45 Uhr verlor die Hochtief-Aktie nach einer Gewinnwarnung des Konzerns 9,3 Prozent an Wert. Hintergrund des Ergebniseinbruchs sind erhebliche Probleme bei der australischen Tochter Leighton, die bislang einen Großteil des Konzerngewinns lieferte, zurzeit aber rote Zahlen schreibt.

Der Essener Konzern reduzierte deshalb seine Gewinnprognose für das laufende Jahr am Montag deutlich. War Hochtief bislang von einem Vorsteuerergebnis in Höhe von rund einer Milliarde Euro ausgegangen, so erwartet er nun einen Gewinn von weniger als 400 Millionen Euro. Der Konzern will deshalb angesichts des überraschenden Debakels die bislang weitgehend selbstständig agierende Tochter künftig an einer kürzeren Leine führen.

Trotzdem sieht Lütkestratkötter das Geschäftsmodell von Leighton als "grundsätzlich intakt" an. Der Konzern wird sich deshalb auch mit rund 298 Millionen Euro an einer Kapitalerhöhung beteiligen, mit der die australische Tochter ihre Finanzsituation verbessern will.


dapd  

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