13.01.2011, 18:25 Uhr | DAPD
Heidelberg/Wertheim (dapd-bwb). Nach den starken Niederschlägen der vergangenen Tage steigt die Hochwassergefahr in Teilen Baden-Württembergs erneut. Vor allem im Nordosten des Landes, am Neckar und an seinen östlichen Zuflüssen Murr, Rems und Kocher habe sich die Hochwasserlage verschärft, sagte der Leiter der Hochwasser-Vorhersage-Zentrale (HVZ), Manfred Bremicker, am Donnerstag in Karlsruhe auf dapd-Anfrage. So könnten die in der vergangenen Woche aufgetretenen Hochwasserstände teilweise erheblich überschritten werden, warnte er. Auch am Main bei Wertheim (Main-Tauber-Kreis), wo am Mittwoch der Scheitelpunkt erreicht wurde, rechnen die Experten trotz zwischenzeitlich sinkender Pegelstände mit einem erneuten Anstieg.
Im Rems-Murr-Kreis wurden nach Polizeiangaben bereits zahlreiche flussnahe Straßen wegen Überflutung gesperrt. Auch die Stadtmitte von Backnang sei vom Hochwasser betroffen. In Rudersberg wurde eine Grundschule vorsorglich in das Alte Bürgerhaus ausgelagert. Im Wieslauftal von Schorndorf-Haubersbronn bis Rudersberg wurden zwei Landstraßen (L 1148 und L 1080) gesperrt.
Auch im Landkreis Schwäbisch Hall stieg der Wasserstand. Dort seien Flüsse und Bäche zum Teil über die Ufer getreten und vier Straßen gesperrt worden, teilte die Polizei mit. Laut Polizei meldeten die Pegel an den Flüssen Jagst und Kocher eine steigende Tendenz. An der Murr bei Oppenweiler (Rems-Murr-Kreis) rechnen die Experten mit einem Wasserstand von 3,35 Metern, dem höchsten seit zehn Jahren. In Gundelsheim am Neckar (Landkreis Heilbronn) soll der Pegel heute die Sechs-Meter-Marke überschreiten.
Laut HVZ ist unter anderem auch die Stadt Heidelberg betroffen, wo mit einem raschen Anstieg des Neckarhochwassers bis auf einen Pegelstand von über fünf Metern gerechnet wird. Nach Angaben der Stadt wird der Scheitelpunkt für Freitagmittag erwartet. Unterdessen wurden in der Stadt erste Schutzmaßnahmen getroffen. So wurden an gefährdeten Stellen in Heidelberg Schlammfangwände und Stege aufgebaut.
Zudem wurde die Bundesstraße 37 an der Alten Brücke gesperrt und an der ihrer tiefsten Stelle mit Sandsäcken geschützt. Sämtliche verfügbaren Kräfte des Hochwasserdienstes der Stadt waren darüber hinaus im Einsatz, um Hochwasserschutzwände entlang der Heidelberger Altstadt aufzubauen. Ein Sprecher der Stadt betonte allerdings, dass diese Maßnahmen lediglich den Zeitpunkt der Überflutung hinauszögern können.
Bremicker zufolge ist der Rückgang des Pegelstandes am Main für die Bewohner der seit Tagen überfluteten Altstadt von Wertheim zwar eine erfreuliche Nachricht, aber noch kein Grund zur Entwarnung. Vor allem die zu erwartenden Niederschläge könnten zu einem erneuten Wasseranstieg führen, warnte er. Der Hochwasser-Einsatzleiter der Stadt, Volker Neumeier, rechnet deshalb für Freitag mit einem kleineren Anstieg. Allerdings gehe er nicht davon aus, dass der Pegelstand den am Mittwoch gemessenen Höchststand von 5,80 Metern überschreiten werde, fügte er hinzu.
Am Mittwoch standen zwei Drittel der Wertheimer Altstadt unter Wasser. Rund 70 Einsatzkräfte und neun Boote waren zur Versorgung der Menschen im Einsatz. Das Finanzministerium sagte unterdessen den betroffenen Menschen im Land steuerliche Erleichterungen zu.
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