05.08.2011, 15:26 Uhr | dapd
Brandenburg/Havel (dapd-lbg). Sebastian Hocke musste lange um Gehör bitten. Mitschüler fuhren dem einstigen Außenseiter regelmäßig ins Wort. Heute sind die Gedanken des mittlerweile preisgekrönten Hörspielautors und Regisseurs deutlich hörbar, vertont in mehreren Audio-Aufzeichnungen. Eine davon ist das Brandenburger Hörspiel "Wünsche/Leben", das auf dem Hörspielwochenende (6./7. August) in Brandenburg/Havel uraufgeführt wird.
Sein Talent entdeckte der heute 28-Jährige beim Vorlesen einer eigenen Geschichte im Deutschunterricht. "Das war das erste Mal, dass alle den Mund gehalten haben", erinnert sich der Künstler. Seine literarische Karriere nahm ihren Lauf. Hocke schrieb Gedichte, Drehbücher und Hörspiele, lud zu Satire-Programm und Poetry-Slam ein. Beim Hörspielsommer in Leipzig wurde er mit "Der Tod und die Kinder" für die beste Inszenierung ausgezeichnet. Ein Kurzfilm, den Hocke während seines Studiums an der Filmhochschule Potsdam-Babelsberg geschrieben hat, wurde auf den Filmfestspielen in Cannes gezeigt.
Der gebürtige Brandenburger ist dennoch auf dem Boden geblieben. Das liegt vielleicht an seinem Umfeld. "Brandenburger sagen immer, was sie denken", sagt Hocke. Bei dem Brandenburg-Hörspiel habe er seinen Bezug zur Stadt "neu entdeckt". Die Aufnahme karikiert einen Radio-Redakteur aus der Großstadt, der in Brandenburg/Havel mit einer Lebensgeschichte einen Preis gewinnen will. "Aber Brandenburger reden nicht mit ihm, denn Brandenburger sind patzig", erklärt Hocke.
Dem Rat einiger Freunde, in Berlin zu arbeiten, folgte Hocke nicht. Er habe in Brandenburg viel ausprobieren können, was in Berlin wegen des größeren Konkurrenzdrucks nicht einfach gewesen wäre. "Ich arbeite sehr langsam, weil ich im Vorfeld nicht genau weiß, was ich will", sagt der Autor. Zunächst schreibe er Situationen auf, die er spannend finde. "Ich habe die Angewohnheit, mich in Passagen zu verlieben", sagt Hocke. Er brauche sehr lange, um etwas wegzuwerfen.
Wie die Figuren aus dem Brandenburg-Hörspiel ist Hocke ein wenig verschlossen. "Ich kann nicht arbeiten, wenn jemand zu Hause ist", sagt der Autor. Dröhnende Musik, Textschnipsel-Sammlung und Arbeitsbuch reichten als Begleiter aus. "Bei der Regie zu einem Film bin ich einmal gnadenlos eingebrochen", erinnert er sich an sein Studium. Der Trubel am Set sei zu groß gewesen.
Als Drehbuchautor für den Film werde die eigene Arbeit oft gering geschätzt, kritisiert Hocke. Bei einem tollen Film heiße es, "toller Regisseur", bei einem schlechten, "schlechtes Drehbuch". Seine Diplomarbeit schrieb er deshalb lieber über das freie Hörspiel, bei dem der Autor wie er nicht nur schreibt, sondern auch produziert. Hockes Markenzeichen ist dabei die Kulisse. "Das Hörspiel 'Der Tod und die Kinder' habe ich in einem Plattenbau aufgenommen", sagt er.
Seinen Lebensunterhalt bestreitet der 28-Jährige mit dem Hörspiel nicht. Er unterrichtet drei Tage die Woche Darstellendes Spiel an einer Privatschule in Nauen (Kreis Havelland). Für seine Stücke, die keinem Genre zuzuordnen sind, gebe es außerhalb des Radios keinen Markt, sagt er. Veranstaltungen wie den Leipziger Hörspielsommer wolle er künftig nutzen, um den Rundfunk auf sich aufmerksam zu machen - und seinem literarischen Talent weiter Gehör zu verschaffen.
dapd
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