13.02.2012, 17:12 Uhr | dapd
Obwohl es fünf Grad unter Null sind, stehen Sabine und Guido Schäfer nur im Pulli neben ihrem Wohnwagen. Auch Handschuhe haben sie nicht an, keine Mütze, keinen Schal. Die 46-Jährige und ihr vier Jahre älterer Mann sind Wintercamper. "Wir sind abgehärtet", betonen sie. Über den "Campingplatz Bannsee", nur zwei Kilometer vom Steinhuder Meer entfernt, ziehen an diesem Wochenende schwere Wolken. "Landhaus am Bannsee" ist auf einem Schild am zwei Meter hohen Vorzelt zu lesen.
Seit 20 Jahren kommen die Schäfers mittlerweile aus dem 45 Kilometer entfernten Minden in ihr "Landhaus" auf Rädern, und zwar sommers wie winters. "Am schönsten ist es im Herbst", sagt Sabine. Zwar hätten sie daheim auch einen Garten, aber sie liebten eben die freie Natur. Kilometerweit seien hier ringsum nur Felder und Wälder.
Bis spät am Vorabend mussten die Schäfers arbeiten. Am Samstagmorgen sind sie dann in aller Frühe zum Campingplatz aufgebrochen. Die beiden gasbetriebenen Katalytöfen im Vorzelt laufen. Mit Kühlschrank, Elektroherd und Sitzecke haben sie sich eine gemütliche Küche eingerichtet. Die Temperaturen sind derweil noch weiter in den Keller gesackt. Von der Dachplane tropft das Kondenswasser.
"Man muss schon ein bisschen Idealist sein, um das zu machen", sagt Heiner Kühlborn, der beim Deutschen Camping Club (DCC) rund 3.000 Mitglieder in Niedersachsen vertritt. Für Wintercamper sei die Ausrüstung durch bessere Heizungen und Isolierungen in den letzten Jahren zwar immer komfortabler geworden. Aber auch vor 20 Jahren habe es schon "ein paar Hartgesottene" gegeben.
Einen neuen Trend bei den Wintercampern sieht Kühlborn eher nicht. "Ein Pauschalurlaub auf Gran Canaria ist trotz Flugs günstiger, als im Winter zwei Wochen einen Wohnwagen mit Gasflaschen zu heizen", gibt er zu bedenken. Um einen ausgekühlten Wohnwagen angenehm zu temperieren seien schon zwei Tage erforderlich. "Aber das Flair ist im Winter auf einem leeren Campingplatz einfach einzigartig", findet er.
"Es ist schön, abends am Feuer draußen zu sitzen", sagt Guido Schäfer. "Bei uns wird nicht angegrillt oder abgegrillt", erzählt er. Wenn es doch zu kalt werde, könne man das Grillfleisch ja auch drinnen essen. Voller Vorfreude auf das Abendessen leuchten seine Augen. Die kleine Piratenflagge haben die Schäfers schon auf dem Dach des Vorzelts aufgepflanzt: "Damit alle wissen, dass wir da sind."
Alle, das sei auf dem Campingplatz im tiefsten Winter ein harter Kern von vielleicht sieben Leuten. "Wenn unsere Pforte offen ist, einfach reinkommen", sagt Guido. Mal säßen sie abends hier zusammen, mal gingen sie rüber zu den anderen.
An diesem Morgen ist nur Irmtraud Behr noch auf dem Platz. "Ich habe nur den kleinen Wagen geheizt", sagt sie. Ihr Mann sei daheim in der Wedemark bei Hannover geblieben, weil es ihm hier zu kalt sei. "Aber hier ist es doch viel gemütlicher als in dem großen Haus", sagt sie. Mollige 20 Grad sind es in ihrem winzigen Wohnwagen. Vor dem Fenster tollen Blaumeisen und Amseln an Futterbällen herum. "Geweckt haben mich heute Morgen um sechs zwei Eichhörnchen, die sich auf dem Dach gejagt haben", sagt die ältere Dame fröhlich.
"Wir waren vor 32 Jahren die ersten hier", erinnert sie sich. Sie hätten den Platz mit den Pächtern erstmal urbar machen müssen. "Mein Sohn wurde damals gerade konfirmiert und wollte unbedingt auf dem Steinhuder Meer segeln", erläutert sie. Deshalb haben sie sich ein schönes Fleckchen in der Nähe des Nordufers gesucht. Wenn die Vögel mal ein Verdauungsschläfchen einlegen, holt Behr ihren Laptop raus und spielt Karten gegen Computergegner. Oder sie radelt zum Steinhuder Meer.
Aber selbst Wintercamper wie die Schäfers können sich auf den Sommer freuen. Dann ziehe es sie statt ans Steinhuder regelmäßig ans Mittelmeer. Mit ihrem kleineren Wohnwagen führen sie jedes Jahr nach Spanien. Zwischen Valencia und Alicante gebe es schließlich auch "vernünftige Strände".
dapd
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