04.03.2011, 14:02 Uhr | dapd
Leipzig (dapd-lsc). Die Sachsen sind Impfungen gegenüber offenbar aufgeschlossener als viele andere Bundesbürger. Erhebungen der vergangenen Jahre zeigten, dass die Impfraten im Vergleich zu anderen Bundesländern beziehungsweise ganz Deutschland sehr hoch liegen, sagte Dietmar Beier, Vorsitzender der Sächsischen Impfkommission (SIKO) am Freitag im Vorfeld des 15. Sächsischen Impftages in Leipzig.
Grund dafür seien engagierte Ärzte, zahlreiche Fortbildungsangebote der SIKO für niedergelassene Mediziner und ein gutes Verhältnis zu den verschiedensten Fachgesellschaften, sagte Beier weiter.
Drei Jahre nach Einführung der Rotavirus-Impfung als Standardimpfung in Sachsen zog Michael Borte, Chefarzt am Klinikum St. Georg in Leipzig und wissenschaftlicher Tagungsleiter, eine positive Bilanz. Die durch die Viren verursachten Magen-Darm-Erkrankungen im Säuglings- und Kleinkindalter stellten eine enorme Belastung für die Betroffenen da, die durch die Impfung verhindert werden können. Wurden in Sachsen 2008 noch 36 Prozent der Kinder zwischen der 6. und 26. Lebenswoche geimpft, waren es 2010 bereits 63 Prozent. Bundesweit seien 2008 lediglich acht Prozent und 2010 erst 24 Prozent der Kinder gegen Rotaviren geimpft gewesen. In Sachsen mussten wegen durch Rotaviren hervorgerufene Erkrankungen 2007 insgesamt 739 Kinder in Krankenhäuser eingewiesen werden. 2010 seien es nur noch 301 Fälle und damit 60 Prozent weniger gewesen, sagte Borte. Das spare Behandlungskosten. Die Mehrheit der Krankenkassen in Sachsen übernehme die Kosten für diese Impfung.
Auch die Impfung gegen das Humane Papilloma-Virus (HPV), das unter anderem Gebärmutterhalskrebs auslösen kann, sei weiter zu empfehlen. Volker Schuster, Leiter der Universitätskinderpoliklinik Leipzig, sagte, dass der Impfstoff wegen angeblich geringer Wirksamkeit zu Unrecht infrage gestellt worden sei. Er schütze vor den Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs, der dadurch mit größter Wahrscheinlichkeit verhindert werden könne. 2009 seien in Sachsen 55 bis 60 Prozent der 15-bis 20-jährigen Frauen dagegen geimpft worden.
Am Samstag (5. März) findet in Leipzig der 15. Sächsische Impftag statt, zu dem mehr als 500 Teilnehmer erwartet werden. Er gilt als der größte seiner Art in Deutschland. Das Fachpublikum wird sich neben Impfungen gegen Rotaviren, Keuchhusten und Kinderlähmung sowie Pneumokokken mit Impfproblemen aus der täglichen ärztlichen Praxis beschäftigen.
dapd
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