Startseite Jetzt online bestellen und 10% Rabatt sichern

Sie sind hier: Home > Regionales > Berlin >

In Berlin haben die Piraten Heimvorteil

...

In Berlin haben die Piraten Heimvorteil

15.09.2011, 18:22 Uhr | dapd

Als die Piratenpartei zu den Berliner Abgeordnetenhaus- und Bezirkswahlen antrat, wurde sie vor allem eines: belächelt. Der Landesvorsitzende der Grünen, Volker Ratzmann, habe den Wählern erzählt, sie würden mit dem Kreuz neben den Piraten ihre Stimme verschwenden, erinnert sich Piraten-Direktkandidat für den Wahlkreis Pankow 8, Christopher Lauer. Doch kurz vor der Wahl am 18. September sehen Umfragen die Piraten bei 5,5 bis 6,5 Prozent, womit sie zum ersten Mal in ein deutsches Parlament einziehen würden.

Die Piratenpartei gibt es erst seit fünf Jahren. Der Bundesverband wurde im September 2006 in der Hauptstadt gegründet, der Berliner Landesverband wenige Monate später. Einige Jahre dümpelte die Mitgliederzahl vor sich hin. Dann gab es laut einer parteiinternen Statistik 2009 vor den Europaparlaments- und Bundestagswahlen plötzlich einen sprunghaften Anstieg. Innerhalb weniger Monate verzehnfachte sich die Mitgliederzahl auf bundesweit rund 12.000.

Für den Politikwissenschaftler Christoph Bieber ist dieser Anstieg leicht erklärbar: "Damals kam die Debatte über eine Zensur des Internets auf", sagt der Professor an der Universität Duisburg. In Berlin seien die Piraten so erfolgreich, weil die Internet-Community dort besonders stark sei, was veranstaltete Konferenzen wie die "re:publica" zeigten. "In Berlin haben die Piraten Heimvorteil", sagt Bieber. Andere Landesverbände seien deutlich schwächer.

Als erste Partei fordern die Piraten von ihren Mitgliedern einen Internetzugang. Über die virtuelle Parteiplattform "LiquidFeedback", die der 1.000 Mitglieder starke Berliner Landesverband in der Satzung verankert hat, soll Demokratie "fließend" umgesetzt werden, wie ein Sprecher sagt. Die Parteimitglieder könnten dort von zu Hause aus Themen einbringen und abstimmen oder die Entscheidung einem Vertreter überlassen. So würden Programmanträge gestellt und politische Entscheidungen getroffen.

Wie breit die gesellschaftliche Basis der Piratenpartei ist, darüber streiten sich die Experten. Im Gegensatz zu den Grünen der 80er Jahre mit ihrem Schwerpunkt auf Ökologie dürften die Piraten mit ihrem Kernthema "Freiheit im Netz" eigentlich keine breitere gesellschaftliche Basis erreichen, meint Nils Diederich, Professor im Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der Freien Universität (FU) Berlin. Ihm widerspricht Bieber: "Die Gruppe der Onliner ist gar nicht so klein".

"Wir wissen erst sehr wenig über die Piraten und ihre Wähler", sagt Bieber. Dass sich die Hochburgen der Partei vor allem in studentischen Gebieten in den Stadtteilen Friedrichshain und Kreuzberg befänden, deute jedoch auf ein junges Klientel. Auch die Berliner Grünen hätten einen Anteil am Erfolg der Piraten, "weil sie hier sehr bürgerlich auftreten" und den Studenten nicht hip genug seien. Zudem würde die Piratenpartei von einer latenten Anti-Parteien-Stimmung in der Hauptstadt profitieren.

Der Berliner Piraten-Spitzenkandidat Andreas Baum sieht seine Partei jedenfalls "auf den Einzug ins Abgeordnetenhaus vorbereitet" und erhebt "den Anspruch mitzugestalten". Nicht nur beim Thema Netz, sondern auch bei Bürgerrechten, Bildung und Stadtentwicklung/Verkehr. Erhielte seine Partei bei der Wahl fünf Prozent, würden laut Landeswahlleiterin sieben bis acht Kandidaten ins Abgeordnetenhaus einziehen. Die Landesliste der Piraten umfasst 15 Kandidaten, darunter eine Frau.

Kürzlich kamen jedoch Zweifel an der Professionalität des 32-jährigen Spitzenkandidaten auf, als Baum in einer TV-Runde im Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) die Schulden Berlins auf "viele, viele Millionen" schätzte, obwohl das Land mit über 63 Milliarden Euro in der Kreide steht.

"Der Kandidat mag in dem Moment unprofessionell gewesen sein, aber die Partei ist es nicht", meint Bieber. Schließlich habe die Organisation mit vergleichsweise geringen finanziellen Mitteln einen sehr erfolgreichen Wahlkampf geführt, "und zwar on- und offline". Allein schon die guten Umfragewerte "und ein eigener Balken auf den Wahlbarometern" seien für die Piratenpartei "stabilisierend und identitätsbildend", egal ob sie ins Abgeordnetenhaus einzieht oder nicht.


dapd  

Inhalt versenden Versenden
Leserbrief An die Redaktion
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus.
Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Diese Mail an
mailing-ifrarr
Artikel versenden
Empfänger
Absender
Name
Name
E-Mail
E-Mail
Nachricht
 

"In Berlin haben die Piraten Heimvorteil" verlinken

Verlinken Sie uns, wenn Ihnen der Artikel "In Berlin haben die Piraten Heimvorteil" gefallen hat.

 
schließen

Kommentare (5)

zum Forum

Thema: "In Berlin haben die Piraten Heimvorteil"

Hans schrieb: am 15. September 2011 um 19:10:01
(25) (1) Piraten
Toll. Die Grünen sollen sich an ihre eigene Nase fassen. Euer Anfang war auch nur ein Spektakel. Nun werden wir Euch nicht mehr los.

Kommentar melden

Dark Wings schrieb: am 15. September 2011 um 18:55:20
(18) (2) Piraten in den Bundestag
Ich glaube schon das mehr Parteien in Deutschland nötig sind. Alle vorhandenen Parteien sind nichts mehr wert, zu
eingefahren, oder drehen ihr Fähnchen im Wind . Ich denke es macht sehr wohl Sinn noch mehr an Auswahl zu haben. Ich muss mich ja nicht mit deren Programm indentifizieren, aber zu sehen wie unsere "grossen " Pateien sich mit anderen arangieren müssen .....gefällt mir
mehr Kommentar melden

Meinung schrieb: am 15. September 2011 um 18:52:47
(8) (9) wetten
das es in berlin mindestens 5 % Kaotenpotenzial gibt , die Piraten wählen -- alternativ dazu wäre die -- Freiheit -- die geht
sonst verloren die Freiheit
mehr Kommentar melden

alle Kommentare
Seite:

Kommentar schreiben

Name
Betreff
Kommentar: (Maximal 500 Zeichen)

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Haken

Vielen Dank. Ihr Kommentar wurde versendet!

Kommentar schreiben



Zu diesem Artikel/Thema können keine weiteren Kommentare mehr abgegeben werden.

Kommentar melden

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

 

Haken

Vielen Dank! Ihr Hinweis wurde von der Redaktion entgegengenommen.
mailing-ifrarr

Shopping

Einkaufswelt
Prämierte Riserva
Spitzenweine bei Hawesko

Acht Flaschen 2007er San Martino plus Dekanter jetzt für nur 49,- € statt 78,10 €. von Hawesko

Einkaufswelt
Tablet zum Sensationspreis
Knüller knallhart bei euronics.de

24,6 cm Tablet-PC mit Android 4.0, 1 GHz Prozessor inkl. Ledertasche für nur 229,- €. bei euronics


Downloads & Shops

Minus 29%: CutOut PRO
CutOut PRO (Quelle: Softwareload)

Der Meister für feinste Freistellungen und präzise Montagen. mehr

Historische Traktoren
Agrar Simulator: Historische Landmaschinen (Quelle: Koch Media)

Landmaschinen der 50er bis 70er Jahre fahren. Spiel jetzt kaufen

Badeurlaub in Kroatien ab 572,- €/P.
Last Minute bei t-online.de Reisen (Quelle: t-online.de)

1 Woche im 4-Sterne- Hotel mit AI und Flug.


Aus anderen Bereichen

Es gibt offenbar einen Käufer für Schlecker
Offenbar Investor an Schlecker interessiert (Quelle: dapd)

Der mögliche Retter ist kein Unbekannter. mehr

Jetzt spricht der Düs- seldorfer Rasenräuber
Der Elfmeterdieb von Düsseldorf klaut noch vor Abpfiff des Spiels ein Stück Rasen. (Quelle: imago)

Er hatte den Elferpunkt ausgegraben. mehr


Anzeigen

Anzeige
Ganz nah dran:
Berlin

Alle Infos und Nachrichten aus Berlin. mehr

Nachrichten aus Ihrer Stadt
Berlin
Als Standard festlegen
Anzeige
Polizeinachrichten aus Berlin
Polizei in Berlin (Foto: imago)

Das Wichtigste aus den Dienststellen. mehr

Einkaufswelt
Ein Muss für Vielsurfer
Ein Muss für Vielsurfer - nie wieder offline - endlos surfen und simsen von congstar.de

Nie wieder offline - endlos surfen & simsen. Nummer mitnehmen und 25,- € sichern. von congstar.de

ANZEIGE
Anzeige

Zur breiten Ansicht
© Deutsche Telekom AG 2012

Anzeige