12.10.2011, 14:30 Uhr | dapd
Mit einem klaren Bekenntnis zur europäischen Kultur und dem Buch als Säule der Kultur haben Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und der isländische Präsident Olafur Ragnar Grímsson am Dienstag die 63. Frankfurter Buchmesse eröffnet. Grímsson verwies auf die Literaturtradition seines Landes, die gleich mit der Besiedlung der Nordmeerinsel Ende des 9. Jahrhunderts begonnen habe: "Die Erzählungen wurden zur Kraftquelle für die Forderung nach Unabhängigkeit. Ohne Literatur wären wir vielleicht nie eine eigene Nation geworden."
Westerwelle sagte, Island sei zwar "ein kleines Land, aber in der Literatur ein Gigant". Ihm imponiere, dass jeder Isländer durchschnittlich acht Bücher pro Jahr kaufe. Dazu erschienen in Island so viele neue Titel pro Jahr und pro Kopf wie nirgends sonst auf der Welt. Anlässlich der Frankfurter Buchmesse erschienen rund 230 Bücher isländischer Autoren neu auf Deutsch. Das ist nach Angaben der Messeleitung ein Rekordwert.
Kunst und Kultur spiegelten den Stand einer Gesellschaft, sagte Westerwelle: "Eine Kulturnation zeichnet sich zuerst durch die Vielfalt ihrer Kultur aus." Die Vielfalt in Europa sei beispiellos, den Beitrittsantrag Island zur EU werde Deutschland nachdrücklich unterstützen. Es gehe dabei um "eine Partnerschaft auf Augenhöhe, bei der jeder seinen Teil zum Ganzen beiträgt".
Auch Grímsson bekräftigte, dass "kleine Sprachen gleichberechtigt neben großen Sprachen" stünden. Wenn Island jetzt Ehrengastland der weltgrößten Buchmesse sei, werteten die Isländer das als "Geste der Freundschaft" und "Anerkennung der Künstler, die die alten Sagas aufs Pergament schrieben". Die Isländer glaubten, was nicht aufgeschrieben sei, sei nicht passiert. Sie seien "besessen von Literatur", sagte Grímsson: "Die Bücher, das sind wir selbst."
Der auch in Deutschland für seine Kommissar-Erlendur-Krimis bekannte Bestsellerautor Arnaldur Indridason nannte Island "den idealen Wohnort für Poeten und Schriftsteller". Die ersten Einwanderer hätten für alle Orte, Berge, Gletscher und Flüsse erst Namen erfinden müssen, "und noch immer erfinden wir neue Ortsnamen". Dazu sei die Natur rau und das Land geologisch jung. "Vielleicht kann man sagen, dass die Schöpfungskraft des Landes dazu beigetragen hat, die Schöpfungskraft der Bewohner zu stärken", sagte Indridason.
Der Schriftsteller erinnerte auch an die Finanzkrise vor drei Jahren, die den gesamten Bankensektor Islands mit sich riss. "Der beste Weg, wieder Boden unter den Füßen zu gewinnen, führt über die Kunst. In der Kreativität unseres Landes verbirgt sich dessen eigentlicher Wert, ein Wert, der Bestand hat im Angesicht von Luftschlössern der Habsucht", sagte Indridason.
Die Frankfurter Buchmesse öffnet am Mittwoch (12. Oktober) ihre Tore zunächst drei Tage lang nur für Fachbesucher. Erst am Wochenende erhält das breite Publikum Zutritt. Erwartet werden rund 280.000 Besucher. Bis Sonntag präsentieren sich mehr als 7.400 Aussteller aus 106 Ländern. Ein umfangreiches Kulturprogramm mit Schwerpunkt auf isländischer Kunst begleitet die Messe.
dapd
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