07.03.2011, 14:58 Uhr | dapd
Erfurt (dapd-lth). Auf der Suche nach abgeworfenen Geweihen ziehen Trophäensammler derzeit den geballten Zorn von Förstern und Jägern auf sich. Hunderte Kilo Abwurfstangen werden pro Saison in Thüringens Wäldern erbeutet, oftmals ohne die erforderliche Erlaubnis. "Dabei ist jetzt die schwierigste Jahreszeit für das Wild", erklärt die Schönbrunner Forstamtsleiterin Martina Edelmann. Die Tiere suchten nach einem solch langen Winter, in dem sie ihren Stoffwechsel erheblich herabgesetzt hatten, noch Ruhe im Fichtendickicht.
Es koste die Tiere enorme Energie, wenn es aufgeschreckt und wegen der Sammler aus ihrem noch begrenzten Bewegungsradius gehetzt würden, sagte Edelmann. Nicht von ungefähr sei schließlich in den Forstämtern der Höhenlagen vorzeitig die Wild-Notzeit und somit eine absolute Jagdruhe ausgerufen worden.
Für die Methoden der Stangenjäger, die mit viel Ortskenntnis nachts oder in der Morgendämmerung gezielt in den Wildeinständen stören, hat die Forstfrau kein Verständnis: "Freunde des Wildes können das wahrlich nicht sein".
Auch der Thüringer Landesjagdverband übt scharfe Kritik an der illegalen Trophäenjagd. "Wenn das aufgeschreckte Wild in seiner natürlichen Scheu mehr oder weniger weit flüchten muss, wird es seinen höheren Energiebedarf durch umso mehr junge Zweige, Knospen und Baumrinde decken und verursacht damit deutlich mehr Schäden", sagt Verbandsgeschäftsführer Frank Herrmann.
Der Gehrener Forstamtschef Reinhardt Müller kennt die Problematik ebenfalls: "Das ist wie eine Sucht bei den Trophäenjägern, da hakt der Verstand aus", klagt Müller. Die Appelle, den schwachen Tieren jetzt nicht an Fütterungen aufzulauern und ihre Fährten zu verfolgen, um so an die Geweihe zu gelangen, verhallten ungehört. Unter der Hand seien in den Waldgegenden viele Hörnerdiebe längst bekannt, es sei aber fast aussichtslos, diese auf frischer Tat zu ertappen, sagt Müller. Ein großer Fund verbreite sich in der Szene wie ein Lauffeuer und stachele die anderen Sammler an. In den einschlägigen Kreisen habe sich ein regelrechter Schwarzmarkt für die Trophäen etabliert.
In einigen Fällen sollen Stangensucher Rothirsche gar zu Tode gehetzt haben, wie Herrmann berichtet. Im Februar wurde an einem für wissenschaftliche Zwecke mit einem Sender ausgestatteten Hirsch deutlich, wie sich die hemmungslose Jagd nach Geweihen auswirken kann: Das Tier wurde nahe einer Fütterung aufgeschreckt und trieb verfolgt von einem Trophäenjäger an zwei Tagen über zehn Kilometer durch Gebirgsgegenden des Landkreises Sonneberg und überquerte dabei zweimal verkehrsreiche Straßen.
"Wir appellieren an die Vernunft, im Sinne von Wild und Wald jetzt die Suche nach Abwurfstangen zu unterlassen. Die kann man auch später beim Beeren- und Pilzesammeln noch finden", fordert Herrmann. Die Aneignung der Geweihe ohne entsprechende Erlaubnis erfülle darüber hinaus den Tatbestand der Wilderei und könne laut Jagd- und Naturschutzgesetz mit saftigen Geldstrafen von bis zu 10.000 Euro geahndet werden.
dapd
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