04.10.2010, 15:43 Uhr | DDP
München (dapd-bay). Gestiegene Besucherzahlen und ein Rekordabsatz beim Bier: Zum Abschluss des Münchner Oktoberfestes haben die Organisatoren ein rundum positives Fazit gezogen. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) nannte die Jubiläums-Wiesn einen "überwältigenden Erfolg". Die von Kritikern vorhergesagten Sicherheitsprobleme seien ausgeblieben. "Von Chaos keine Spur", sagte Ude. Abgesehen von wenigen Ausnahmetagen habe eine "entspannte Stimmung" auf der Wiesn und rund um das Festgelände geherrscht. "Natürlich gab es einen verregneten Samstag und einen überfüllten Samstag. Aber es gab auch 15 traumhafte Wiesntage", bilanzierte der Oberbürgermeister. Auch die Warnstreiks bei der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) hätten nicht zum "gewünschten Kollaps" geführt.
Ude beklagte allerdings trotz der rückläufigen Gewalttaten eine "Brutalisierung" auf dem Oktoberfest: "Es hat schlimme Vorfälle gegeben." Der Polizei zufolge wurden in diesem Jahr 62 Maßkrugschlägereien registriert, ein Drittel mehr als 2009. Bei diesen Vorfällen gab es mehrere Schwerverletzte. Unter anderem erlitt ein australischer Tourist nach einem Maßkrugschlag eine Gehirnblutung, ein Wiesnbesucher aus Dresden ist auf einem Auge erblindet.
Trotz der gestiegenen Besucherzahlen ist die Kriminalität auf dem Oktoberfest im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Allerdings ist es zu mehr Gewaltexzessen gekommen, wie aus der am Montag vorgelegten Polizeistatistik hervorgeht. Zwar gebe es mit insgesamt 2253 Einsätzen an den 17 Wiesntagen ein leichtes Plus im Vergleich zum vergangenen Jahr, "aber es hat weniger Straftaten gegen", sagte Polizeisprecher Wolfgang Wenger.
In den vergangenen zwei Wochen seien rund 1200 Straftaten registriert worden, über 20 Prozent weniger als vor einem Jahr. Auch die Zahl der Sexualdelikte und Diebstähle sei im Vergleich zu 2009 zurückgegangen.
Das Oktoberfest sollte am Montagabend nach 17 Tagen - wegen des 200. Wiesn-Geburtstags einen Tag später als üblich - zu Ende gehen. Die Veranstalter zählten insgesamt 6,4 Millionen Besucher, etwa 700.000 mehr als vor einem Jahr. Es wurden sieben Millionen Liter Bier ausgeschenkt, das ist neuer Rekord.
Auch Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl bezeichnete das Jubiläums-Oktoberfest als Erfolg. Es sei gelungen, das "Münchnerische Gesicht" des größten Volksfestes der Welt wieder stärker herauszuarbeiten. Dazu hätte insbesondere die "Historischen Wiesn" mit nostalgischen Fahrgeschäften und einer Pferderennbahn beigetragen, für die ein Teil des Festgeländes reserviert war. Auch der abschließende Montag war als zusätzlicher Wiesn-Tag speziell für einheimische Besucher gedacht.
Auf dem historischen Teil des Oktoberfestes wurden bis Sonntag annähernd 500.000 Besucher gezählt. Ude sagte, dieser Publikumszuspruch sei ein Erfolg, der alle Erwartungen übertroffen habe. Es freue ihn außerdem, dass auch die überregionale Oktoberfest-Berichterstattung in diesem Jahr weniger von "irgendwelchen Drittel-Prominenten" als vielmehr von der "Historischen Wiesn" geprägt gewesen sei. Viele Münchner scheinen die Begeisterung über die Nostalgie-Wiesn zu teilen: Am Montag übergab eine Bürgerinitiative dem Oberbürgermeister 18.000 Unterschriften von Festbesuchern, die sich eine Wiederholung der "Historischen Wiesn" wünschen.
dapd
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