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Jungdesigner müssen vor allem eines können: Sich selbst vermarkten

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Jungdesigner müssen vor allem eines können: Sich selbst vermarkten

18.01.2011, 14:13 Uhr | DAPD

Berlin (dapd-bln). Viel Tageslicht fällt auf grob verputzte Wände, auf dem Schreibtisch ein bisschen kreative Unordnung. Das kleine Kreuzberger Studio von Hien Le passt wunderbar zur nachlässigen Eleganz seiner neuen Stücke, die an dem Kleiderständer in der Mitte des Raumes hängen. Einige Stoffe sind erst vorige Woche aus Portugal, Italien und Frankreich eingetroffen: Lieferschwierigkeiten wegen des Schnees, außerdem war die letzte Baumwollernte schlecht. Nun fehlen ein paar Farbtöne, wenn Hien Le seine zweite Kollektion ab Mittwoch im Collect Showroom in der Linienstraße 40 in Berlin-Mitte ausstellt. "Aber so funktioniert es auch", sagt Hien.

Zweifel kann sich der 31-jährige Modedesigner auch nicht leisten. Erst 2010 hat er sein eigenes Label gegründet, es trägt seinen Namen - "Hien Le". Er kümmerst sich um alles: die Entwürfe, den Einkauf der Stoffe, die Produktion, aber auch Öffentlichkeitsarbeit, Marketing und Vertrieb. "Wichtig ist, dass man sich mit seinem Produkt identifiziert. Dann kann man es auch am besten verkaufen", sagt er. "Wenn Du nicht selbst daran glaubst, klappt es auch nicht."

Eigentlich wollte Hien Le sich nicht selbständig machen. Die Idee hatte er erst, als er nach dem Modedesign-Studium an der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft im Vertrieb einer großen Mode-PR-Agentur arbeitete. "Da kam dann der Gedanke: Hey, das, was ich hier für andere mache, könnte ich doch auch für mich selbst machen." erzählt er.

Und weil ein paar glückliche Umstände zusammenfielen, lief es ausgezeichnet: Er wurde vom Veranstalter des "Collect" Showrooms, Arne Eberle, eingeladen, der Modeblog "Les Mads" berichtete und jemand schlug Hien Le für eine Züricher Modenschau vor. Dort kamen dann auch die ersten Order: Jetzt hängen seine luftigen Röcke und Seidenblusen in Shops in Zürich, Berlin und Paris. "Normalerweise findet man so schnell keine Abnehmer. Die warten lieber ab, ob man überhaupt die erste Saison überlebt."

Die Selbstständigkeit der Designerin Maike Dietrich kam eher schleichend. Erst hat sie für sich selbst gestrickt, am liebsten ironisch-kitschige Sonnenuntergangsmotive. Ihre Freunde fanden das super und bestellten Einzelanfertigungen: Einen groben Wollpulli mit Kalaschnikow auf der Brust, mit Helikopter oder Martiniglas. "Nur keine typischen Norwegermuster."

2003 entstand daraus das Label "Maiami". "Und auf der ersten Messe kam gleich dieser japanische Kunde", erinnert sich Maike. "Der fand mein Schwarzwaldmädel toll, das mit den roten Bommeln." Seitdem kriegt man ihre handgestrickten Teile auch in Tokio. Bis Ende des Monats zeigt sie ihre Sachen in einem Pop-Up-Store in einer Galerie in der Auguststraße 26, außerdem ist auch sie beim Collect Showroom vertreten, der jungen Berliner Designern während der Fashion Week eine Plattform bietet.

Die 42-jährige Kommunikationswissenschaftlerin hat vorher viele Jahre lang im Modegeschäft gearbeitet, als Assistentin und im Marketing. "Da wusste ich dann schon, wie man eine Order bestätigt und dass man auf Vorauszahlung bestehen sollte", sagt Maike. Außerdem hatte sie schon Kontakte zu wichtigen Modemagazinen. "Das macht den Erfolg natürlich nicht komplett aus ? aber es hilft."

Auf Messen falle es ihr manchmal schwer, immer präsent sein zu müssen. "Es ist den meisten ja nicht gegeben zu sagen, guck mal, was ich hier Tolles gemacht habe." Weil der Laden läuft, kann sie die Öffentlichkeitsarbeit und den Vertrieb, die zuvor über die Hälfte ihrer Arbeitszeit eingenommen haben, jetzt an eine Agentur abgeben. Und sich auf das Entwerfen konzentrieren: "Denn das ist es ja, was ich so liebe."

Hien Le wird noch ein paar Kollektionen warten müssen, bis er sich das leisten kann. Im Schnitt dauert es fünf Jahre, bis sich herausstellt, ob sich ein Label selbst finanzieren kann. Diese Unsicherheit hält er gern aus. "Wenn ich 'Hien Le' nicht gegründet hätte, hätte ich das mein Leben lang bereut."


DAPD  

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