19.07.2010, 14:46 Uhr | DDP
Riems/Maputo (ddp-nrd). Zur Eindämmung der Rindertuberkulose im Südosten Afrikas haben deutsche Wissenschaftler mit Forschern aus Kenia, Tansania und Mosambik ein gemeinsames Forschungsprojekt gestartet. Unter Koordination des Friedrich-Loeffler-Instituts auf der vorpommerschen Insel Riems sollen in den nächsten drei Jahren an den Rändern von Nationalparks weidende Rinder untersucht werden, wie Institutsleiter Thomas Mettenleiter mitteilte. Das Projekt werde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit einer Million Euro unterstützt.
Nach Angaben von Projektleiter Manfred Tanner konzentrieren sich die Untersuchungen vorrangig auf Randgebiete von Schutzgebieten, darunter auf die Masai Mara nördlich der Serengeti, den Amboseli-Nationalpark in Kenia und den Limpopo-Nationalpark in Mosambik. Dabei würden aus den Herden Rinder ausgewählt, eingefangen und einem Hauttest unterzogen. Zugleich werden aber auch Wildtiere wie Büffel, Antilopen, Elefanten und Löwen narkotisiert und auf TBC-Erreger untersucht.
"Wir wissen nur wenig darüber, wie die auch für den Menschen gefährliche Krankheit zwischen unseren Nutz- und Wildtierbeständen wechselt", sagte Rudovick Kazwala von der Universität Morogoro (Tansania). Bislang gehe man davon aus, dass etwa zehn Prozent der Rinder im Norden des Landes infiziert seien. Über die TBC-Verbreitung bei Wildtieren sei nur sehr wenig bekannt. Nach Beobachtungen von Adelina Machado von der Universität Maputo werden zum Beispiel Wildbüffel angesteckt, die gelegentlich in die Rinderherden eindringen. Auch Fleischfresser wie Löwen würden durch den Verzehr erkrankter Tiere infiziert.
Insgesamt sollen in den drei Staaten mindestens rund 7200 Rinder getestet werden. Darüber hinaus wollen die Wildtierärzte gemeinsam mit Nationalparkrangern Proben von etwa 300 Wildtieren nehmen. Bisher seien etwa 500 Rinder, 40 Büffel und ein Elefant untersucht worden, sagte Tanner. Nach der Auswertung sollen die Gewebe- und Blutproben in nationalen Datenbanken gesammelt werden, die später auch für Untersuchungen auf Krankheiten wie Milzbrand, Tollwut und Brucellose zur Verfügung stehen. In einer zweiten Phase soll das Forschungsprojekt auch auf TBC-Infektionen bei Menschen ausgeweitet werden.
Erkenntnissen zufolge infizierten sich Menschen in Afrika vor allem über unbehandelte Milch und Milchprodukte, sagte Tanner. Da viele Afrikaner keinen Milchzucker vertragen, werde die Milch über mehrere Tage hinweg angesäuert. Innerhalb des Projekts werde daher in der südafrikanischen Universität Stellenbosch nach einem preiswerten und einfach anwendbaren Fermentationsverfahren geforscht, das TBC-Bakterien abtötet.
Früheren Studien zufolge sollen schon 90 Prozent der Afrikaner Kontakt mit TBC-Erregern gehabt haben. Bei Menschen mit schwachem Immunsystem kann die Krankheit zum Ausbruch kommen und tödlich enden. "Bei uns ist TBC noch vor Aids und Malaria Todesursache Nummer eins", sagte Kazwala. "Wir hoffen, spätestens nach acht Jahren ein Gesamtbild über die Ausbreitung der Krankheit zu haben, um der Politik Vorschläge für deren Eindämmung zu unterbreiten." Dazu könnten neben neuen Milchbehandlungsverfahren auch strengere Vorschriften zur Fleischbeschau in Schlachthöfen und eine Stärkung der Veterinärbehörden gehören. Auch sollte geprüft werden, inwiefern Wild- und Nutztiere künftig voneinander getrennt werden könnten.
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