29.11.2011, 13:08 Uhr | dapd
Keine neun Monate hat die mediale Abwesenheit des früheren CSU-Stars Karl-Theodor zu Guttenberg gedauert. Mit einem 207 Seiten starken Buch - in ungewöhnlicher Interviewform gedruckt - meldete er sich am Dienstag zurück. Und spart darin nicht mit Schelte an der eigenen Partei, der Bundesregierung, der er zwei Jahre angehörte, den politischen Gegnern und guten Ratschlägen für den Alltag. Und mit Bekenntnissen zur Medienwelt.
Noch vor wenigen Monaten galt Guttenberg als "Allzweckwaffe", als "Shooting-Star" und "Liebling der Medien". Genauso, wie die Medien seinen Aufstieg begleiten, stürzten sie sich auf seinen nur wenige Wochen dauernden Abstieg. Kein Wunder, dass KT - wie er wegen seines Vornamens in den Zeitungen oft genannt wurde - jetzt "zurückschießt".
War Guttenberg einmal Journalist? Unbestritten ist sein Praktikum bei der Tageszeitung "Die Welt". Später, so gibt er zu Protokoll, habe er darum gebeten, noch etwa zwei oder drei Monate als Freier für das Blatt schreiben zu dürfen. Journalist wollte er danach nicht werden, aber geprägt hat ihn die Zeit allemal. Die Stärken und Schwächen, sagt er rückblickend, würden sich nur "partiell" von dem Politikbetrieb unterscheiden. Einen Betrieb, den er später besser kennenlernen sollte als seinen Familienbetrieb.
"Sie finden im Journalismus zum Beispiel die gleiche Schattierungen der Eitelkeit. Und es gibt auch interessante Formen der Intriganz, die sich durch eine Redaktion ziehen können und sich manchmal nicht von den Spielarten der Politik unterscheiden", sagt er in dem Buch. Mit den Erfahrungen seines medialen Absturzes kritisiert er noch bitter die Macht der Journalisten: "Die reicht bis zur Zerstörung von Menschen."
Ein Poser - so wird ein Mensch genannt, der sich für jede Kamera ins rechte Licht wirft. Auch Guttenberg muss sich den Vorwurf gefallen lassen, "Inszenierung als Beruf" getrieben zu haben. Guttenberg in Frank-Sinatra-Pose auf dem Broadway, Guttenberg in Schlips und Anzug in weiches Licht getaucht in einem "Transall"-Transportflugzeug der Bundeswehr, Guttenberg im grellen Sonnenlicht mit Helm und Sonnenbrille auf einem US-amerikanischen Flugzeugträger. Alles nicht gestellt. Sagt Guttenberg. Sagen auch die Fotografen, die ihn ablichteten.
Aber es gibt eine Ausnahme: Guttenberg im Druckanzug vor einem Eurofighter - er posiert wie einst Tom Cruise im Film "Top Gun". Es ist August 2010 - der damalige Verteidigungsminister hatte gerade seine medizinische Untersuchung für den fliegerischen Dienst überstanden und die persönliche Ausrüstung angepasst bekommen. "Okay, zugegeben: Das war ein Bild, mit dem ich Werbung für die Bundeswehr machen wollte. Das war bewusst gestellt." Und ungewöhnlich selbstkritisch fügt Guttenberg noch hinzu, das mit der Werbung habe wohl nicht so richtig funktioniert: "Da habe ich besonders affig in die Kamera geguckt."
dapd
bernd h. schrieb:
am 29. November 2011 um 15:44:23
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gutenberg betr. journalismus
Wie weit muss eine journalistische ( ZEIT ) sowie politische Gesellschaft gesunken sein, um Typen wie
Karl-Theodor zu Gutenberg zu protegieren?Die Medien, sowie die Schicht der Politiker versinken im Sumpf der Quoten, in der Spießbürgerlichkeit ihrer Eitelkeiten, im gesättigten Gefühl "uns kann ja doch keiner" und der daraus folgenden Erkenntnis:" Man muss das Volk nur dumm genug halten, um sich selbst für unfehlbar zu empfinden! In diesem Sumpf hat Demokratie keine Chance!! Ein
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MedienVerwirrter schrieb:
am 29. November 2011 um 15:12:36
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Wie nennt man so etwas?
Erst wird KTzG monatelang, von der Politik angestachelt, von den Medien förmlich zerrissen. Nun ist er in Amerika.
Und gut ist´s. Aber nein! Warum trampeln die Medien jetzt wieder andauernd und jede kleine "Nachricht" über KTzG breit? Und versuchen uns gleichzeitig vorzugaukeln, der Bürger (?) könne von Guttengberg einfach nicht loslassen? Nennt man so etwas nicht Schizophrenie? Und seit wann ist das ein gesellschaftliches Phänomen...? Das würde aber in der BRD z. Z. einiges erklären...
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