21.02.2012, 08:20 Uhr | dapd
Hunderttausende Narren haben am Rosenmontag in Rheinland-Pfalz den Höhepunkt der "fünften Jahreszeit" gefeiert. In Mainz besuchte eine halbe Million Menschen den Jubiläumszug: Pünktlich um 11.11 Uhr setzte sich der 111. Rosenmontagszug in Bewegung, der neben jenen in Köln und Düsseldorf zu den größten Umzügen in Deutschland zählt. In Koblenz wurde die Vorjahresmarke von 100.000 Besuchern nach Polizeiangaben übertroffen. Die Polizei in Trier sprach von "mehreren Zehntausend Besuchern", genauere Angaben gebe es nicht. In allen drei Städten blieb es bis zum späten Nachmittag weitgehend friedlich.
In der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt bekamen die Narren 14 Motivwagen zu sehen, die traditionell die Politik aufs Korn nahmen. Unter anderem fuhr ein am Wochenende eiligst umgestalteter Motivwagen zum Rücktritt Christian Wulffs vom Amt des Bundespräsidenten die 7,2 Kilometer lange Strecke entlang. Die Fastnachter zeigten Wulff als ausgeknockten Boxer im Ring. Bis zum Freitag war die Wulff-Figur noch als angeschlagener Kämpfer konzipiert gewesen.
Fast 10.000 aktive Fastnachter in Mainz
Ein anderer Wagen zeigte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Kopfstand, der Grund: Ihre politischen Wendemanöver im vergangenen Jahr. Großes Thema war auch der Fluglärm rund um den Frankfurter Flughafen: Dem schlafenden Mainzer flogen die Flugzeuge schon direkt um die Nase. Auf die Schippe wurde auch Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) genommen, der den Zug vor dem Mainzer Theater abnahm. Ein Wagen zeigte die beleidigte "Lewwerworscht Kurt Beck", weil der Kaiserslautern-Fan zur Eröffnung des neuen Mainzer Stadions ausgepfiffen wurde und daraufhin seine Dauerkarte zurückgab.
9.500 aktive Fastnachter zogen durch Mainz, darunter etwa 2.700 Musiker, 180 Reiter, 160 Wagen und 110 Fahnen- und Schwellkopp-Träger. Die Stadt sei proppevoll gewesen und es habe eine ausgelassene und gute Stimmung geherrscht, sagte Organisator Jürgen Schmidt vom Mainzer Carneval-Verein (MCV) auf Anfrage. Bis zum Nachmittag sei in der Stadt alles ruhig gewesen, es habe weder kleine noch große Zwischenfälle gegeben.
Kleinere Schlägereien in Koblenz und Trier
Der Koblenzer Zug bestand aus rund 5.000 Jecken und 50 Motivwagen, die bis zum späten Nachmittag friedlich durch die Stadt zogen. Bis auf kleinere Dispute und Rangeleien zwischen Betrunkenen habe es keine Vorfälle gegeben, sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage. Es sei deutlich friedlicher als im Vorjahr. Allerdings stehe die "heiße Phase" mit dem Einbruch der Dunkelheit noch bevor.
Auch in Trier hielt sich die Zahl der Zwischenfälle in Grenzen. "Es war wunderbares Wetter und es waren daher viele Familien unterwegs", sagte ein Polizeisprecher. Bis zum Nachmittag kam es demnach zu rund einem Dutzend Schlägereien, bei denen mehrere Personen leicht verletzt wurden. Zuvor waren rund 1.800 Karnevalisten aus mehr als 100 Gruppen unter dem Motto "Grand-Prix der Narretei" auf einer Streck von fünf Kilometern Länge durch die Innenstadt gezogen.
Rund 1.400 Polizisten sollten nach Angaben von Innenminister Roger Lewentz (SPD) die Fastnachtsumzüge im Land sichern. Auch in der "fünften Jahreszeit" gebe es für Störenfriede keine "Narrenfreiheit", hatte er in der vergangenen Woche angekündigt. Alleine in Mainz sollten rund 800 Polizisten im Einsatz sein.
dapd
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