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Kein schaler Beigeschmack auf der Grünen Woche trotz Dioxin-Skandal

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Kein schaler Beigeschmack auf der Grünen Woche

24.01.2011, 09:32 Uhr | DAPD

Berlin (dapd). Herzhaft beißt Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) in ein Stück Leberkäse. Einen Beigeschmack hat weder dieses Fleisch noch eine andere Delikatesse, die Aigner am Freitag bei ihrem Eröffnungsrundgang auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin serviert bekommt. Alles schmeckt ihr, und das zeigt die Ministerin auch - in einigen Fällen mit einem langgezogenen "Mmmmhhhh". Nach dem Dioxin-Skandal kommt der Rundgang einer demonstrativen Qualitätsschau der deutschen Agrar- und Ernährungsbranche gleich. Botschaft: Deutsche Lebensmittel sind gut und sicher.

Während des Rundgangs sagt Aigner vor versammelter Presse, dass es wichtig sei zu zeigen, dass mit Dioxin verseuchte Lebensmittel "nicht die Realität in Deutschland sind". Der sie begleitende Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) fordert eine zügige Umsetzung des 14-Punkte-Aktionsprogramms der Bundesregierung und der Länder. Es müsse versucht werden, so viel Schutz wie möglich für die Verbraucher zu erreichen. Zum Abschluss des Rundgangs sagt Paola Teston Coggi von der EU-Kommission, dass die Reaktion der Verbraucherministerin auf die Dioxin-Funde gezeigt habe, dass das Kontrollsystem in der EU funktioniert.

Das war es zum Thema Dioxin. "Wir wollen hier die Qualität, Regionalität und Vielfalt zeigen", nennt Aigner stattdessen als Leitthema des Rundgangs. Die regionalen Unterschiede demonstrieren Aigner und Wowereit gleich selbst. Als Aigner zu dem Leberkäse greift, sagt Wowereit: "Extra ein Stück Fleischkäse für die Ministerin." Die aus Bayern stammende Aigner verbessert: "Das ist Leberkäs."

Gute Laune also, statt schlechter Stimmung. Für kritische Fragen ist ohnehin kaum Platz, 20 Agrarminister trifft Aigner auf ihrem Rundgang. Dabei wird sie zusammen mit Wowereit und Bauernpräsident Gerd Sonnleitner von Bodyguards abgeschirmt. Ein ARD-Reporter macht sich einen Spaß daraus, sich weit hinten von seinem Kameramann filmen zu lassen und zu rufen: "Eine Frage, Frau Aigner, eine Frage."

Aigner lässt sich aber nicht beirren. Am niederländischen Stand lässt sie sich gemeinsam mit Frau Antje und einer riesigen Käseplatte ablichten. Aus den osteuropäischen Ländern sammelt sie viele verschiedene Brote ein. Die werden beispielsweise in Polen oder Ungarn besonderen Gästen auf der Türschwelle überreicht.

Den ersten Alkohol gibt es am Stand der Slowenen - einen Sekt namens Penina sowie diverse Schnäpse. Bei den Tschechen bekommt Aigner Pilsner Urquell serviert. Am bayerischen Stand in der Länderhalle Deutschland darf sie selbst Hopfen in den Braubottich dazugeben. Zur Belohnung gibt es ein fertig gebrautes Bier. Wie sie so viel Alkohol am frühen Morgen erträgt? "Immer schön nippen, nicht austrinken", sagt Aigner in die Runde.

Dass die Branche neben dem Dioxin auch andere Sorgen hat, wird bei dem Rundgang aber auch deutlich. Die Sprecherin von Kraft Foods Deutschland, Silke Trösch, spricht Aigner bei einem Espresso auf die gestiegenen Rohwarenpreise an. So habe es im Laufe des Jahres 2010 eine Preissteigerung bei der Arabica-Bohne um 45 Prozent gegeben, sagt Trösch. Schuld daran sei neben anderen Faktoren auch der um sich greifende spekulative Handel mit Rohstoffen. Sie hofft auf die Hilfe der Ministerin, dies einzuschränken.

Aigner wird sich damit auseinandersetzen. Sie kündigte bereits am Donnerstag an, die Lebensmittelmärkte nicht "Zockern" überlassen zu wollen. An diesem Freitagmorgen hält sie die Sorgen aber von den deutschen Erzeugern fern. Und macht Werbung für deutsche Lebensmittel. Ihr erklärtes Ziel: Die Deutschen müssen ein besseres Verhältnis zu Lebensmitteln bekommen.

Dafür beginnt sie schon bei den Kleinsten. Die siebenjährige Jasmin sitzt im Maggi-Kochstudio auf der weltgrößten Ernährungsmesse und malt in einem Malbuch zum Thema "Kochen". Aigner setzt sich zu ihr und fragt: "Kannst du schon kochen?" "Ja, Tomatensuppe", antwortet die Kleine.


DAPD  

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