01.03.2011, 16:58 Uhr | dapd
Wiesbaden (dapd-hes). Kinder und Jugendliche mit Alkoholvergiftung erhalten in Hessen jetzt auch auf dem Land noch direkt im Krankenhaus Besuch von Suchtexperten. Die Krankenkassen übernehmen einen Teil der Kosten. Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) betonte am Dienstag in Wiesbaden, dass Hessen als erstes Bundesland einen einheitlichen Rahmenvertrag mit allen Krankenkassen über die Finanzierung des Alkoholpräventionsprojekts "HaLT - Hart am Limit" abgeschlossen habe.
Der Minister bezeichnete den Trend zum Komatrinken als besorgniserregend. Im Jahr 2009 seien in Hessen 1.757 Kinder und Jugendliche mit Alkoholvergiftung in die Klinik eingewiesen worden. Damit habe sich die Zahl innerhalb von neun Jahren verdoppelt. Diese Entwicklung gelte es zu stoppen.
Das Alkoholpräventionsprojekt "HaLT - Hart am Limit" sei bislang in anderen Bundesländern vor allem in größeren Städten angesiedelt, in Frankfurt am Main werde es seit 2004 modellhaft erprobt. Hessen sei jetzt das erste Bundesland, das auch Landkreise als Kooperationspartner dafür gewonnen habe und damit auch in die Fläche hineinwirke. Inzwischen beteiligten sich 16 Kreise und kreisfreie Städte. "Damit können wir deutlich mehr als die Hälfte der Jugendlichen erreichen", sagte Grüttner.
Da nicht alle Kliniken über geschultes Personal verfügen, ist ein Bereitschaftsdienst von Mitarbeitern der Suchtberatungsstellen angedacht, die im Notfall auch am Wochenende die Jugendlichen in der Klinik aufsuchen. Ziele sind die Einbeziehung der Eltern und die Vermittlung der Jugendlichen in weiterführende Maßnahmen gegen Alkoholsucht. Zweites Standbein des Projekts sind Aufklärungskampagnen und Präventionsmaßnahmen auf lokaler Ebene.
Die Krankenkassen bezahlen den Angaben zufolge zum Beispiel 50 Euro für ein Elterngespräch und 70 Euro für eine Gruppenintervention. Insgesamt kalkulieren sie eigenen Angaben zufolge mit Kosten bis zu 380.000 Euro. Das Land beteiligt sich an den Kosten des Projekts mit einer Anschubfinanzierung von je 7.500 Euro pro Jahr. Für die nächsten drei Jahren stünden 300.000 Euro für das Präventionsprojekt zur Verfügung, sagte Grüttner. Den Rest der Kosten müssen die Kommunen selbst tragen.
dapd
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