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Kulturjahr 2010 für NRW mit Höhen und Tiefen

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Kulturjahr 2010 für NRW mit Höhen und Tiefen

30.12.2010, 09:02 Uhr | DAPD

Düsseldorf (dapd-nrw). Ruhr 2010 war das herausragende Kultur-Ereignis für Nordrhein-Westfalen im zu Ende gehenden Jahr. Doch auch in anderen Städten und Regionen spielte Kultur eine wichtige Rolle. So kämpfen in Köln und Wuppertal Bürger mit großem Engagement für ihre städtischen Bühnen. Mit Peter Herbolzheimer, Sigmar Polke, Christoph Schlingensief und Irene Ludwig verlor das Land bedeutende Persönlichkeiten des kulturellen Lebens.

Besonders der Tod von Christoph Schlingensief löste große Betroffenheit aus. Er zählte seit vielen Jahren zu den bekanntesten und umstrittensten Film- und Theaterregisseuren Deutschlands. Monatelang hatte der gebürtige Oberhausener seine Krebserkrankung zum Thema seiner künstlerischen Arbeiten gemacht. Als Schlingensief am 21. August im Alter von 49 Jahren starb, hatte die deutsche Öffentlichkeit längst ihren Frieden mit dem einstigen Skandalregisseur gemacht.

Für Aufregung auf der Bühne sorgte in diesem Jahr erneut Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. Bei den Aufführungen ihres Theaterstückes "Rechnitz (Der Würgeengel)" am Düsseldorfer Schauspielhaus verließen regelmäßig zahlreiche Zuschauer den Saal. In dem Stück geht es um den Mord an 180 jüdischen Zwangsarbeitern im März 1945. Auslöser des Skandals war ein Dialog am Ende des Stückes. Dort zitiert Jelinek aus einem Gespräch zwischen dem als "Kannibalen von Rothenburg" bekannten Armin Meiwes und seinem Opfer. Nach Angaben des Theaters soll durch die Einbindung des Dialoges der Bogen zu den Vorgängen bei dem NS-Massaker gespannt werden.

Stärker als in Vorjahren engagierte sich die Bevölkerung in NRW für ihre Kultureinrichtungen. Als in Wuppertal die Zukunft des Städtischen Theaters aus Finanzgründen auf der Kippe stand, gingen die Bürger wiederholt auf die Straße und machten den Kommunalpolitikern klar, welche Lobby das Schauspiel bei der Bevölkerung hatte. Eine Perspektive für Bühne bedeutete das aber noch nicht.

Ähnlich sah die Situation in Köln aus. Dort hatte der Stadtrat den Abriss und Neubau des Theatergebäudes sowie eine grundlegende Sanierung des benachbarten Opernhauses beschlossen. Insbesondere gegen den Abriss des historischen Theaters formierte sich die Bürgerinitiative "Mut zur Kultur", die innerhalb weniger Wochen 52.000 Unterschriften für ein Bürgerbegehren gegen den Ratsbeschluss sammelte. Von der heftigen öffentlichen Reaktion erschrocken, revidiert die Stadtratsmehrheit ihren eigenen Beschluss. Sanierung statt Abriss heißt es jetzt auch für das Schauspiel, auch wenn die Kosten bislang noch nicht geklärt sind.

Auch die vom Abriss bedrohte Bonner Beethovenhalle hat wieder eine Zukunft. Eigentlich hatten die Bonner Großunternehmen Deutsche Post, Telekom und Postbank zugesagt, an der Stelle der historischen Beethovenhalle für rund 75 Millionen Euro ein neues Beethoven-Festspielhaus in der Geburtsstadt des bedeutenden Komponisten zu finanzieren. Angesichts der leeren kommunalen Kassen wird das Projekt vorerst aber nicht umgesetzt.

2010 mangelte es nicht an Namen und Ereignissen, die zeigten, wie aktiv das Kulturland NRW trotz anhaltender Finanznot ist. Die K20 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen ist in Düsseldorf nach zweijähriger Renovierung wieder zu sehen und in Essen wurde die Alte Synagoge als Haus jüdischer Kultur eröffnet. Als neue Attraktionen haben sich auch das Ruhr Museum in Essen und das Kulturquartier in der Kölner Innenstadt erwiesen. Auch personell wurden Weichen für die Zukunft gestellt. So wurde der Komponist und Regisseur Heiner Goebbels zum neuen Intendanten der Ruhrtriennale gekürt. Petra Müller folgte im Sommer Michael Schmid-Ospach an die Spitze der Filmstiftung.


DAPD  

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