12.01.2011, 15:15 Uhr | DAPD
Frankfurt/Main (dapd-hes). Von der Frankfurter Untermainbrücke blicken die Passanten auf eine weite Flusslandschaft. Die Liegewiese vor dem Maincafé, wo sich im Sommer die Sonnenhungrigen tummeln, ist komplett von den braunen Wassermassen überflutet. Der sonst so stark von Autos frequentierte Untermainkai ist an diesem Mittwoch gesperrt. Rund 200 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk haben seit Dienstagnachmittag etwa 200 Tonnen Sandsäcke am Römerberg und ein Stück flussaufwärts an der Gerbermühle gestapelt, um die Wassermassen abzuhalten. Am Mainkai sollen stabile Stahlrahmenwände die Anwohner vor dem Hochwasser schützen.
"So hoch stand das Wasser zuletzt 2003", sagt Karin Kaiser von der Caritas, die am Mainkai 40 residiert. "Damals sind die Enten und Schwäne direkt an meinem Fenster vorbei geschwommen", erinnert sich die Caritas-Mitarbeiterin. Am 5. Januar 2003 hatte der Pegelstand am Frankfurter Osthafen 5,19 Meter angezeigt. Noch höher stieg das Wasser in den vergangenen 40 Jahren nur am 30. Januar 1995 (5,47 Meter). So schlimm wird es diesmal nicht kommen, auch wenn der Deutsche Wetterdienst teils ergiebigen Dauerregen ankündigt, und das Hochwasser zunächst weiter steigen soll.
Am Mittwochmittag zeigte der Pegel am Osthafen knapp 4,50 Meter an. Bis Freitagmittag könnte er auf 5 Meter ansteigen. Die Scheitelwelle des Hochwassers hatte in der Nacht zu Mittwoch Würzburg erreicht. "Bis sie in Frankfurt angekommen ist, dauert es rund 33 Stunden", erläuterte ein Sprecher der Frankfurter Feuerwehr. Die Touristen auf dem Frankfurter Römerberg, der unmittelbar hinter den Schutzwänden beginnt, werden von dem Hochwasser wohl wenig mitbekommen.
Schlimmer als am Main könnte es allerdings die Anwohner an der oberen Lahn erwischen. Das Hochwasserlagezentrum in Gießen rechnet bis zum Freitag wieder mit stark steigenden Pegelständen. "Nach vorsichtigen Berechnungen könnte der Pegelstand von 1984 erreicht werden", so eine Sprecherin. Damals war das Wasser in der Lahn bei Marburg auf die Rekordmarke von 5,33 Meter gestiegen. Am vergangenen Wochenende zeigte der Pegel 5,04 Meter an. Die Hochwasserexperten gehen davon aus, dass der Pegelstand vom vergangenen Wochenende bis zum Freitag noch überschritten wird. Ursache dafür seien vor allem die angekündigten starken Regenfälle im Westerwald, wo mehrere Nebenflüsse die Lahn speisen und weiteres Schmelzwasser aufgrund des Tauwetters.
Lars Schäfer vom Gefahrenabwehrzentrum Marburg-Biedenkopf bleibt trotz der Warnungen gelassen: "Wir sind auf solche Fälle selbstverständlich vorbereitet." Der Landkreis halte in Marburg 2.300 Sandsäcke in Reserve, 1.000 weitere seien in Biedenkopf gelagert. Zudem stünden weitere 30 Kubikmeter Sand zur Verfügung. Schäfer glaubt auch nicht, dass der Lahnpegel den historischen Höchststand von 1984 erreicht. "Damals hatten wir noch nicht den Perf-Stausee und das Ohm-Rückhaltebecken."
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