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Landespolitik im Wettstreit um alternative Energieversorgung

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Landespolitik im Wettstreit um alternative Energieversorgung

18.03.2011, 08:19 Uhr | dapd

Erfurt (dapd-lth). Nach der Ankündigung von Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU), den Umstieg auf eine alternative Energieversorgung zu beschleunigen, bringt sich die Landespolitik mit ihren jeweiligen Ideen in Stellung. Dabei prallen erneut unterschiedliche Vorstellungen aufeinander. Die Absicht von Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) etwa, den Bau neuer Pumpspeicherwerke in Thüringen zu prüfen, nannte Umweltminister Jürgen Reinholz (CDU) einen Schnellschuss. Zuletzt waren bereits Machnig und Landesentwicklungsminister Christian Carius (CDU) beim Thema Windräder aneinandergeraten.

Einem Sprecher des Wirtschaftsministeriums zufolge soll ein Gutachter prüfen, ob bestehende Talsperren nach dem Ablauf ihrer Nutzung für einen Umbau geeignet seien. Damit bestätigte er einen Bericht der "Thüringer Allgemeinen" (Donnerstagausgabe). Im Fokus stehen den Angaben zufolge die Speicher in Tambach-Dietharz, Zeulenroda und Weida sowie die Talsperre Schmalwasser. Im südthüringischen Goldisthal liefert schon jetzt eines der größten Pumpspeicherwerke Europas Strom aus Wasserkraft.

Linke-Fraktionschef Bodo Ramelow forderte von der Landesregierung ein schnelles Ergebnis, welche Talsperren für eine Umrüstung zu Pumpspeicherwerken geeignet sind. Zudem schlug er vor, an etlichen Wasserläufen mit Wasserrädern die lokale und regionale Stromversorgung zu unterstützen. Auch die Themen Geothermie und Tiefengeothermie müssten angesichts der zahlreichen ehemaligen Bergbauschächte stärker beachtet werden, sagte er.

FDP-Wirtschaftsexperte Thomas Kemmerich verwies darauf, dass beim Thema Wasserkraft auch die Rahmenbedingungen neu bedacht werden müssen. Es sei nicht "anstößig, im Umweltbereich auch mal über Tabu- und Opfergewässer nachzudenken", sagte er.

Reinholz betonte dagegen, dass die erwartbare Leistung der umgerüsteten Talsperren viel zu gering sei und verwies auf eine Studie der Fachhochschule Erfurt. In Zeulenroda läge sie bei lediglich 56 Megawatt, in Tambach-Dietharz sogar noch darunter. In Goldisthal werde hingegen eine Leistung von 1.060 Megawatt erreicht.

Dagegen sei Biomasse mittelfristig die wichtigste regenerative Energiequelle. Bioenergie könne als fester, flüssiger oder gasförmiger Energieträger zur Erzeugung von Strom und Wärme zur Verfügung gestellt werden und außerdem Kraftstoffe ersetzen, sagte der Minister. Sie sei zudem gut regel- und speicherbar und als regionaler Energieträger praktisch überall verfügbar. Sie mache bereits jetzt 86 Prozent der erneuerbaren Energien aus und sei zudem grundlastfähig.

In diesem Zusammenhang wies Reinholz Befürchtungen einer "Vermaisung" des Freistaats zurück. Selbst mit der prognostizierten Anbauerweiterung für Biogasanlagen auf 25.000 Hektar wäre erst das Niveau von 1992 erreicht. In Thüringen gibt es den Angaben zufolge derzeit rund 170 Biogasanlagen. Diese hätten eine installierte Leistung von etwa 83 Megawatt.

Der SPD-Umweltexperte Frank Weber begrüßte Reinholz' Biomasse-Überlegungen. Allerdings seien die Biomasse-Potenziale endlich seien. "Schon mit einer einzigen Windkraftanlage lässt sich mehr Strom erzeugen", sagte er. Reinholz machte beim Thema Windräder jedoch naturschutzrechtliche und touristische Bedenken geltend.

Lieberknecht hatte angesichts der japanischen Atomkatastrophe erklärt, dass nun alle Kräfte in den Ausbau der alternativen Energieversorgung investiert werden müssten. Dazu sollen Carius und Machnig ihren Zwist beim Thema Windräder beenden. Zugleich hatte sie für die Landtagssitzung am Donnerstag kommender Woche eine Regierungserklärung angekündigt.


dapd  

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