23.03.2011, 08:51 Uhr | dapd
Saarbrücken (dapd-rps). Der saarländische Landtag will sich am Mittwoch in erster Lesung mit der geplanten Verfassungsänderung zur Einführung einer Gemeinschaftsschule im Saarland befassen. Mit der neuen Schulform will die schwarz-gelb-grüne Landesregierung ein Zwei-Säulen-Modell im Bereich der allgemeinbildenden Schulen etablieren. Da im Saarland als einzigem Bundesland die Schulformen in der Verfassung verankert sind, ist die Landesregierung auf Zustimmung aus der Opposition angewiesen. Während die Linke dies mittragen will, - was für eine Zwei-Drittel-Mehrheit ausreichen würde -, hat sich die SPD auf eine Ablehnung festgelegt. Kritik an der geplanten Umsetzung äußerte erneut die Landeselterninitiative für Bildung.
Bildungsminister Klaus Kessler (Grüne) nannte am Dienstag in Saarbrücken als Ziele der Reform eine größere Übersichtlichkeit und Bildungsgerechtigkeit im Schulsystem. Zudem unterstrich er die Notwendigkeit, das Schulsystem "demografiefest" zu machen. In den kommenden Jahren werde die Zahl der Schüler pro Jahrgang um zwei bis drei Prozent zurückgehen.
Mit der Gemeinschaftsschule, die aus der Zusammenführung von Erweiterter Real- und Gesamtschule entstehen soll, werde auch die bisherige "ungesunde Konkurrenz" zwischen diesen beiden Schulformen aufgehoben. Zudem gebe es mit der Gemeinschaftsschule auch eine "Perspektive für kleinere Standorte". Derzeit gibt es nach Angaben des Ministers 47 Erweiterte Real- und 16 Gesamtschulen im Saarland.
Die Gemeinschaftsschule trage auch dem überwiegenden Willen der Eltern Rechnung, die für ihre Kinder Schulen wollten, an denen alle Abschlüsse möglich seien. In der neuen Schule soll dies möglich sein, einschließlich eines Abiturs nach 13 Jahren als Alternative zum achtjährigen Gymnasium (G8).
Die Landeselterninitiative für Bildung sieht in dem Gesetzentwurf der Landesregierung jedoch keine qualitativen Fortschritte für Unterricht und Lernen an Schulen. Es sei nicht zu erkennen, was sich "hinter den Türen der neuen Schulform tatsächlich verändern" werde, sagte ihr Sprecher Bernhard Strube. Das Hauptziel der neuen Schulform, eine gleichwertige Alternative zum Gymnasium mit mehr individueller Förderung und größerer Selbstständigkeit zu bieten, bewertete die Elterninitiative zwar als "richtigen Ansatz". Allerdings gebe es beispielsweise keine gesetzliche Regelung zur Schüler-Lehrer-Relation und damit keine Vorgaben für kleinere Klassen und mehr Lehrerzeit. Diese seien aber notwendig, um "die soziale Auslese abbauen oder gar beseitigen" zu können, betonte Strube.
Die SPD hatte ihre Ablehnung ebenfalls mit einem mangelnden inhaltlichen Konzept begründet. Die Sozialdemokraten hatten zudem auf eine Festschreibung von Klassengrößen im Gesetz gedrängt. Die Linke hatte ihre Zustimmung von der Zusage abhängig gemacht, den Unterrichtsausfall dauerhaft zu bekämpfen.
dapd
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