16.01.2012, 11:37 Uhr | dapd
Schleswig-Holsteins Grüne ziehen mit einem Spitzenduo in den Landtagswahlkampf. Spitzenkandidat Robert Habeck erhielt auf einem Listenparteitag am Freitagabend in Kiel 93,13 Prozent der 102 abgegebenen Stimmen. Er soll zwar das Gesicht im Wahlkampf sein, muss sich wegen des Frauenstatuts der Partei aber mit Listenplatz zwei begnügen. Es erlaubt nur Frauen auf ungeraden Listenplätzen. Auf Platz eins wurde mit 94,11 Prozent die Finanzpolitikerin Monika Heinold gewählt.
Für bundespolitische Unterstützung sorgte zu Beginn des dreitägigen Parteitags der Bundesvorsitzende Cem Özdemir. Er sprach sich gegen eine Koalitionsaussage seiner Partei für die Landtagswahl am 6. Mai aus. Zwar stehe seiner Partei im Bund die SPD näher als die CDU, sagte Özdemir. Er fügte jedoch hinzu: "Wie man es in Schleswig-Holstein macht, wissen die schleswig-holsteinischen Grünen besser." Es ginge nicht um ein "Wiederaufstehen eines Projektes".
Spitzenkandidat Habeck kritisierte in seiner Bewerbungsrede beide Volksparteien und stellte Grundbedingungen für einen möglichen Koalitionsvertrag mit SPD oder CDU. "Wir werden keinen Koalitionsvertrag unterschreiben, der sich mit Adam Riese anlegt, wir werden keinen Koalitionsvertrag unterschreiben, der die Energiewende nicht konsequent umsetzt", sagte er.
"Für ein weiter-wie-bisher stehen wir nicht zur Verfügung", sagte Habeck. Es müsse Schluss sein mit einer "Wirtschaftspolitik im blinden Mantra eines unqualifizierten Wachstumsbegriffs".
Heinold sagte, ihre Partei wolle Schleswig-Holstein "vom Mehltau befreien" und dazu "kräftig pusten". Sie betonte ebenso wie Habeck die Eigenständigkeit. "Wir können Regierung und wir können Opposition. Wir können Rot-Grün, aber wir können auch anders."
Der jüngsten Umfrage zufolge dürfen die Grünen bei der Wahl auf 17 Prozent hoffen. CDU und SPD lagen bei 33 beziehungsweise 32 Prozent. Die derzeit mit der Union koalierende FDP muss um den Wiedereinzug in den Landtag bangen. Sowohl Grüne als auch CDU gehen ohne Koalitionsaussage in den Wahlkampf. Die SPD setzt auf Rot-Grün.
Die übrigen Listenplätze wollten die Grünen am Samstag beziehungsweise Sonntag wählen. Dabei wird es reichlich zu Kampfkandidaturen kommen. Unter anderem wollen sowohl Landeschefin Eka von Kalben als auch die Landtagsabgeordnete Marlies Fritzen für Listenplatz drei kandidieren.
Bis auf Luise Amtsberg, die ihr Studium wieder aufnehmen will, treten alle Landtagsabgeordneten wieder an. Derzeit ist die Partei mit zwölf Abgeordneten im Kieler Landtag vertreten. Um einen aussichtsreichen Listenplatz bewirbt sich auch der ehemalige Fraktionschef Karl-Martin Hentschel.
dapd
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