04.03.2011, 11:42 Uhr | dapd
Unterföhring (dapd). Der Boom bei Lebensversicherungen gegen Einmalbeitrag hat der Allianz in Deutschland einen Umsatz- und Gewinnzuwachs beschert. Obwohl das große Sorgenkind Kfz-Versicherung weiter im Rückwärtsgang fährt, steigerte die Allianz Deutschland AG ihren Jahresüberschuss um 32 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro und will im laufenden Jahr weiter zulegen.
"Wachstumstreiber war erneut die Lebensversicherung", sagte Vorstandschef Markus Rieß am Donnerstag in Unterföhring bei München. Sie allein fing den Prämienrückgang in der Schaden-Unfallversicherung auf und sorgte dafür, dass der Allianz-Umsatz im Heimatmarkt um eine Milliarde auf 28,5 Milliarden Euro stieg.
Der ganze Schub kam von den Einmalbeiträgen, deren Summe von 6,0 Milliarden auf 6,9 Milliarden Euro emporschnellte. Viele Kunden nutzten diese Policen in der Finanzkrise wie Tagesgeldkonten mit attraktiven Zinssätzen. Dieses Niveau werde 2011 jedoch schwer zu halten sein, sagte Rieß und schloss deshalb einen Umsatzrückgang der Allianz Deutschland AG insgesamt in diesem Jahr nicht aus.
Mit starkem Rückenwind von den Kapitalmärkten und einem Ergebnissprung um 45 Prozent auf 980 Millionen Euro löste die Lebensversicherung die schwächelnde Sachversicherung auch als stärkster Gewinnbringer ab. Diese Höhe werde ebenfalls kaum zu halten sein, sagte Rieß. Umso stärker soll sich 2011 aber das Ergebnis der Sachversicherung erholen.
"Mit der Gesamtperformance der Sachversicherung können wir nicht zufrieden sein", beklagte Rieß. Der Umsatz sank auf 9,0 Milliarden Euro, das operative Ergebnis fiel um 15 Prozent auf 618 Millionen Euro. Am schlimmsten waren die Zahlen der KfZ-Versicherung, die schon seit Jahren vom Preisverfall auf dem hart umkämpften Markt gebeutelt wird: Die Allianz rutschte von 8,5 Millionen auf 8,2 Millionen Verträge mit Autofahrern weiter zurück und wurde von der HUK-Coburg als Marktführer abgelöst. Das Prämienvolumen fiel auf 3,1 Milliarden Euro. Ob die Allianz - wie die meisten Konkurrenten - rote Zahlen in der Kfz-Versicherung schreibt, wollte Rieß nicht sagen.
Aber die Schaden-Unfall-Versicherung insgesamt gab im vergangenen Jahr mehr Geld für Schäden und Kosten aus, als sie an Prämien einnahm. Rieß machte dafür hohe Sturmschäden und zu niedrige Marktpreise vor allem in der Kfz-Versicherung verantwortlich. Im laufenden Jahr erwartet er bei stabilem Umsatz weniger Schäden und Kosten und damit ein besseres Ergebnis.
Scharf kritisierte der Allianz-Deutschland-Chef das Unisex-Urteil des Europäischen Gerichtshofs, das einheitliche Tarife für Männer und Frauen ab Dezember 2012 vorschreibt. Wegen der unterschiedlichen Risiken würden nach der neuen Berechnung für Frauen zum Beispiel Autoversicherungen teurer, aber Rentenversicherungen billiger - für Männer dagegen umgekehrt. Aber wegen der aufwändigeren Risikoprüfung und notwendigen größeren Sicherheitspuffern würden einige Versicherungen für die Kunden insgesamt teurer.
Die Senkung des Garantiezinses für neue Lebensversicherungen ab 2012 kritisierte Rieß als überzogen. Selbst wenn es in den nächsten zehn Jahren bei den heutigen Niedrigzinsen bliebe, wären mehr als zwei Prozent sicher. Der Garantiezins sei ein wichtiges Verkaufsargument. Das Bundesfinanzministerium sollte seine Entscheidung überdenken, sagte Rieß.
dapd
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