22.02.2011, 15:26 Uhr | dapd
Berlin (dapd). Ein Mann liegt schwer verletzt im Krankenhaus, Apparate piepsen, er schlägt die Augen auf. Vier Tage lang lag er im Koma, niemand hat sich nach ihm erkundigt. Schnell verlässt er das Krankenhaus, sucht seine Frau, doch die erkennt ihn nicht wieder und seinen Platz hat ein anderer eingenommen. Dr. Martin Harris, gespielt von Liam Neeson, wittert eine Verschwörung und macht sich daran, sie aufzuklären. Verzweifelt hetzt er durch den Berliner Schneematsch, verfolgt von Feinden und vermeintlichen Freunden. Dabei geht einiges zu Bruch in dem Action-Thriller "Unknown", der am Freitag bei der Berlinale im Wettbewerb außer Konkurrenz gezeigt wurde.
Jaume Collet-Serras Film, der als "Unknown Identity" am 3. März in die deutschen Kinos kommt und vom Studio Babelsberg mit produziert wurde, ist fast komplett in Berlin gedreht worden. Berlin sei als Drehort für einen Film über einen Mann auf der Suche nach seiner Identität perfekt geeignet gewesen, sagte der 36-jährige Spanier. "Die Stadt hat eine Menge Möglichkeiten geboten, um das darzustellen."
Und so sieht der Kinobesucher Neesons Figur, einen Wissenschaftler, der für einen Biotechnologie-Kongress nach Berlin gekommen ist, durch Berlin-Mitte gehen, rennen und fahren. Ausgangspunkt der Geschichte ist ein Autounfall an der Oberbaumbrücke: Von einem Lkw löst sich die Ladung, das Taxi, in dem er sitzt und das von Gina (Diane Kruger) gesteuert wird, kommt ins Schlingern und stürzt von der Brücke ins Wasser. Knapp entgeht Harris dem Tod, nur um sich in bereits erwähntem Krankenhaus wiederzufinden und dort von Dr. Farge alias Karl Markovics behandelt zu werden.
Markovics ("Die Fälscher") musste, wie er am Freitag nach der Filmvorstellung augenzwinkernd sagte, nach seiner Darbietung des Sigmund Freud in "Mahler auf der Couch" für den Dr. Farge "eigentlich nur das Kostüm wechseln und den Text auf Englisch lernen". Es sei zwar nur eine kleine Rolle gewesen, aber allein die Möglichkeit, eine Szene mit Liam Neeson drehen zu dürfen, habe ihn sehr glücklich gemacht.
Die Verfolgungs-, Explosions- und Kampfszenen in "Unknown" sind sehenswert und Neeson ("Schindlers Liste") lässt die Verzweiflung seiner Figur das Publikum spüren. Ein bisschen hat der Zuschauer aber auch Mitleid mit dem Darsteller, denn wo manch anderer Film mit ähnlicher Handlung sich Zeit für die Charaktere nimmt, drückt Collet-Serras aufs Tempo und scheucht seinen Protagonisten von einem Ort zum anderen. Unter anderem zu dem großartigen Bruno Ganz als Ex-Stasi-Spitzel, der ihm bei der Aufklärung des Rätsels hilft. In einer weiteren Nebenrolle ist Sebastian Koch zu sehen, der, wie er am Freitag sagte, wieder einmal froh über die Gelegenheit war, in einer internationalen Produktion keinen Nazi oder Bösewicht zu spielen. "Das fängt erst in den letzten Jahren so langsam an, sich zu ändern."
Collet-Serras Film basiert auf einem Roman von Didier Van Cauwelaert - die zentralen Elemente lassen sich aber zuhauf in Film und Literatur finden. Der Spanier nennt als Haupteinfluss auf seine Arbeit die Filme Alfred Hitchcocks. Eine Fortsetzung von "Unknown" kann der Regisseur sich durchaus vorstellen. Das hänge in erster Linie vom Publikumszuspruch ab.
dapd
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