15.12.2011, 08:58 Uhr | dapd
Die nordrhein-westfälischen Liberalen sind betrübt über den überraschenden Rücktritt von FDP-Generalsekretär Christian Lindner. "Der Rücktritt von Christian Lindner bedeutet eine substanzielle Schwächung in der Führung der FDP. Es ist zutiefst bedauerlich, dass er sich zu diesem Schritt gezwungen sah", sagte NRW-Fraktionschef Gerhard Papke am Mittwoch in Düsseldorf.
Der NRW-Liberale Lindner habe "als Generalsekretär großartige Arbeit geleistet. Er scheidet erhobenen Hauptes aus dem Amt", betonte Papke. "Die FDP wird auch in Zukunft auf seine außergewöhnlichen Fähigkeiten nicht verzichten können", fügte der FDP-Politiker hinzu.
"Ich bedaure diesen Schritt menschlich und politisch. Seine gute Arbeit als Generalsekretär der FDP habe ich jederzeit geschätzt und unterstützt", sagte der FDP-Landesvorsitzende Daniel Bahr, der zusammen mit Lindner und Parteichef Philipp Rösler die sogenannte Boy-Group der FDP bildete. Der Bundesgesundheitsminister dankte Lindner für "seinen Einsatz für die Liberalen in diesen nicht einfachen Zeiten".
"Ich wusste, dass er unzufrieden ist, dass er merkt, dass es unruhig ist in der Partei", sagte Bahr im WDR-Hörfunk. Er habe Lindner auch davon abgeraten, "aber er hatte sich schon heute Morgen dazu entschlossen". Bahr zeigte sich "sicher", dass Lindner "spätestens in ein paar Jahren auch wieder eine herausgehobene Funktion in der FDP haben wird. Er ist ein großes Talent. Der kommt wieder."
Der 32-jährige Lindner kommt aus dem Landesverband NRW. Von 2004 bis 2010 war er Landesgeneralsekretär der FDP an Rhein und Ruhr. 2009 übernahm Lindner das Amt des Generalsekretärs auf Bundesebene.
In Berlin sagte Lindner, er habe Rösler in einem persönlichen Gespräch seinen Rücktritt mitgeteilt. "Es gibt den Moment, in dem man seinen Platz freimachen muss, um eine neue Dynamik zu ermöglichen. Die Ereignisse der letzten Tage und Wochen haben sich in dieser Einschätzung bestärkt", sagte Lindner. Den umstrittenen Euro-Mitgliederentscheid in seiner Partei, den Liberale aus NRW gestartet hatten, erwähnte er nicht direkt.
Der Euro-Skeptiker Burkhard Hirsch (FDP) kritisierte Lindners Rückzug. "Ich halte die Entscheidung nicht für richtig", sagte der Mitinitiator des Mitgliederentscheids im TV-Sender Phoenix. Hirsch bezeichnete Lindner als "eine der Hoffnungen der Liberalen" und sagte: "Ich wünsche und hoffe, dass er weiter der Partei zur Verfügung steht", sagte der ehemalige NRW-Innenminister.
Lindner hinterlasse "eine große Lücke", sagte der Landeschef der Jungen Liberalen (JuLis), Henning Höne. "Wir verlieren einen sehr klugen und profilierten Kopf im Führungsteam."
Mit Spott reagierten die NRW-Grünen. "Gestern stand die FDP am Abgrund, heute ist sie einen Schritt weiter. Mit Lindner hat der letzte liberale Leistungsträger das sinkende Schiff FDP verlassen", erklärten die Grünen-Landeschefs Monika Düker und Sven Lehmann.
dapd
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