22.02.2012, 17:00 Uhr | dapd
Etwas mehr als drei Jahre nach seinem erzwungenen Abschied kehrt der Lottovermittler Tipp24 auf den deutschen Glücksspielmarkt zurück. Unter Lotto24.de werde das Unternehmen ab sofort Tipps aus Schleswig-Holstein im Internet annehmen und an die staatliche Lotteriegesellschaft NordwestLotto in Kiel weitergeben, teilte Tipp24 am Mittwoch in Hamburg mit. "Es ist eine Rückkehr mit etwas leiseren Schritten, da es rechtlich noch nicht anders möglich ist", sagte Tipp24-Geschäftsführer Magnus von Zitzewitz der dapd.
In Schleswig-Holstein gilt seit Jahresanfang ein liberaleres Glücksspielgesetz, dass unter anderem privaten Lottovermittlern ihr Geschäft erlaubt. Die restlichen 15 Bundesländer wollen dagegen einen neuen Staatsvertrag, demzufolge allein die privaten Lottovermittler insgesamt mehr als 30 Genehmigungen für ein deutschlandweites Geschäft bräuchten.
So richtet sich Lotto24 vorerst nur an Spieler aus dem nördlichsten Bundesland. Sie müssten bei jedem Spiel ausdrücklich bestätigen, dass sie sich gewöhnlich dort aufhalten, wenn sie keinen Wohnsitz in Schleswig-Holstein haben, sagte von Zitzewitz. Das Orten der Nutzer über ihre IP-Adresse sei technisch nicht sauber und datenschutzrechtlich nicht zulässig. "Deshalb sind wir darauf angewiesen, dass der Kunde hier ehrlich antwortet."
Den geplanten neuen Staatsvertrag der 15 Länder hält von Zitzewitz genauso wie die derzeit geltenden Regeln für europarechtlich nicht haltbar. Dennoch übt er sich mit Lotto24 in Zurückhaltung: "Wir warten vorerst ab, wie Behörden und Wettbewerber reagieren", sagte er. Das sei aber keine Kapitulation, "sondern ein vorsichtiges Vorgehen um die Chancen des Gesetzes zu nutzen", sagte der Manager. "Wir wollen jetzt - in einem sensiblen Zeitraum, bevor wir die Erlaubnisse beantragen - behutsam vorgehen."
Ohnehin erwarte er, dass die Online-Vermittlung von Lottotipps im Sommer in ganz Deutschland erlaubt wird. Sollte das der Fall sein, rechnet von Zitzewitz damit, von Schleswig-Holstein aus wieder auf die alte Größe des Unternehmens aus Zeiten vor dem Staatsvertrag wachsen zu können. Das würde etwa 200 neue Jobs an einem Standort bedeuten, der derzeit noch gesucht wird.
Bereits bisher lägen die Anlaufkosten für Lotto24 "deutlich im sechsstelligen Bereich", sagte von Zitzewitz. Umsatz- und Gewinnziele für die neue Unternehmenstochter gebe es aufgrund der politischen Unsicherheiten nicht.
Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte den alten Staatsvertrag im September 2010 gekippt - unter anderem mit dem Hinweis auf die mangelnde Einheitlichkeit der Regelung. Zudem waren vor allem Glücksspiele im Internet grundsätzlich verboten. Der neue Entwurf der 15 Länder würde das zwar ermöglichen, die Branche bemängelt aber, dass die Kriterien nicht transparent und im Vorhinein bekannt sind. Zudem gibt es keinen Rechtsanspruch auf eine Lizenz.
dapd
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