07.02.2012, 21:27 Uhr | dapd
Ludivine Cázares hat gute Nachrichten erhalten: Der Gouverneur des US-Bundesstaates, der Republikaner Rick Perry, hat ihr Hilfe bei den Bemühungen zugesagt, ihren Ehemann Rodolfo zu retten. Von dem 35-jährige Dirigenten aus Bremerhaven fehlt seit Monaten jede Spur, nachdem er im Juli des vergangenen Jahres in seiner mexikanischen Heimat entführt wurde. Auch sein Vater und sein Schwager sind seither spurlos verschwunden.
"Wir hoffen, dass wir Druck aufbauen können und wollen jede Möglichkeit nutzen", sagt die Französin, die wie ihr Mann am Bremerhavener Stadttheater engagiert ist, am Dienstag. Sie selbst war ebenfalls Opfer der Entführung, kam aber nach wenigen Tagen frei. Erstmals bestätigt sie, dass direkt nach der Geiselnahme Lösegeld geflossen sei. Die Höhe nennt sie nicht. Allerdings kennt sie inzwischen die Täter - Mitglieder eines mexikanischen Drogenkartells. "Sie wurden identifiziert und drei von ihnen auch festgenommen", berichtet die zierliche Frau, die im Moment von einem Termin in den Botschaften und Ämtern zum nächsten eilt.
Diese Verhaftung war es auch, die ihre Hoffnung nährt. "Einer der Männer, der Boss der Gruppe, wurde in den USA festgenommen. Außerdem hat Rodolfo auch US-Bürger in der Familie", berichtet sie. Daher hätten die USA wohl auch Interesse an einer Lösung der Entführung. Darüber hinaus signalisieren sowohl der Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) als auch das Außenministerium, auf inoffiziellen Wegen helfen zu wollen. "Unsere Absicht ist, alle möglichen Kanäle zu nutzen", sagt Theaterintendant Ulrich Mokrusch, der inständig auf eine Freilassung Cázares' hofft. "Daher muss der Druck der Öffentlichkeit größer werden."
Entführer verwechselten den Dirigenten
Dazu gehört auch, dass der Ablauf der Entführung bekannt wird. Daher berichtet Ludivine Cázares von immer mehr Details. "Die wussten gar nicht so genau, was sie wollten", erzählt sie von der Nacht des 9. Juli. Wahrscheinlich hätten die Männer Kokain genommen und darüber hinaus Cázares und seine Familie mit ihren eigentlichen Opfern verwechselt. "Trotzdem versuchten sie, alles herauszuholen", sagt sie. Dazu gehört auch die Lösegelderpressung. Insgesamt wurde viermal in zwei Wochen gezahlt.
Das war Ende Juli, seither fehlt von den Entführten jede Spur. Dennoch lässt sie in ihrer Suche nicht nach. "Nächste Woche spreche ich mit den französischen Behörden", berichtet Cázares. Sie selbst stammt aus Frankreich, ihr Ehemann hatte die französische Staatsbürgerschaft gerade beantragt - sie sollte in diesem Jahr erteilt werden. Das Problem: Da Rodolfo Cázares noch Mexikaner ist, kann kein Land offiziell intervenieren. Außerdem reagiert Mexiko empfindlich, wenn eine andere Nation es auf den brutalen Drogenkrieg anspricht, der seit Jahren tobt und schon Zehntausende Opfer gefordert hat.
Kraft gibt Cázares, dass sie in Bremerhaven und darüber hinaus viel Unterstützung erfahren hat. "Hier gab es viel Hilfsangebote", berichtet Mokrusch. So seien auch Spenden gekommen, die Cázares helfen, die hohen Fahrtkosten zu tragen, die für ihre Besuche bei den Diplomaten anfallen. Außerdem gibt es viel Zuspruch für ihre Mühe. "Ich glaube, dass wir es schaffen", sagt sie sich. Und setzt auch auf Gouverneur Perry, kurzzeitiger Bewerber um die republikanische Präsidentschaftskandidatur, der sich sehr betroffen gezeigt hat. Zumal die südwestlichen Bundesstaaten tagtäglich mit der Drogengewalt in ihrem südlichen Nachbarland zu kämpfen haben, das immer mehr in dem Krieg zu versinken droht.
dapd
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