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Mal wieder missverstanden - Friedrichs verpatzte Premiere bei der Islamkonferenz

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Mal wieder missverstanden - Friedrichs verpatzte Premiere bei der Islamkonferenz

30.03.2011, 08:38 Uhr | dapd

Berlin (dapd). Hans-Peter Friedrich bemüht sich um eine schöne Verpackung. Es ist seine Premiere als Gastgeber der Deutschen Islamkonferenz und die erste größere Amtshandlung seit seinem Einstand. Und so berichtet der neue Bundesinnenminister am Dienstag mit freundlichem Gesicht von einer "sehr munteren Diskussion" in der Runde. Alle Beteiligten hätten einander gegenseitig mit ihren Meinungen "konfrontiert". Denn Meinungsaustausch bedeute schließlich, die Meinung des anderen einfach so anzunehmen, sondern sie zu respektieren, sagt der CSU-Politiker und schließt mit einem Lächeln.

Die blumigen Worte halten allerdings nicht lange. Die Pressekonferenz nimmt ihren Lauf - und spätestens, als die Islamwissenschaftlerin Armina Omerika an der Reihe ist, bröckelt Friedrichs Verpackungskunst dahin. "Munter" sei nicht ganz die richtige Bezeichnung, sagt sie. "Kontrovers" sei die Sitzung in Berlin gewesen, das treffe es eher.

Schon die Vorzeichen für die Islamkonferenz waren denkbar schlecht. Friedrich hatte direkt nach seinem Amtsantritt Zweifel geäußert, ob der Islam inzwischen zu Deutschland gehöre. Historisch lasse sich das nicht belegen, sagte Friedrich - und stieß damit vielen Muslimen vor den Kopf. Auch Oppositionspolitiker und selbst die eigenen Leute in der Koalition reagierten irritiert. Friedrich bemühte sich in den vergangenen Wochen um versöhnliche Töne, beklagte, seine Aussage sei verkürzt wiedergegeben. Doch zurücknehmen wollte er nichts.

Dann der zweite Aufreger für die Muslime: Friedrich kündigte schon vor einigen Tagen an, er wolle die Muslime in Deutschland zu einer stärkeren Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden gewinnen, um Extremisten und fanatische Islamisten früher zu entdecken. Die Muslime reagierten erneut verwundert bis verschreckt - und hofften in beiden Fällen auf klärende Worte bei der Konferenz. Zur Sprache kamen die Themen bei der Islamkonferenz, geklärt wurden sie nicht.

Inzwischen sei die Runde wieder bei Fragen angelangt, die längst beantwortet sein sollten, klagt die Wissenschaftlerin Omerika bei der anschließenden Pressekonferenz. Den Sicherheitsvorstoß sehen alle Muslime in der Runde mit "großen Bedenken". Das Vorhaben fördere eine "zweifelhafte und bedenkliche Kultur des Denunziantentums unter Muslimen", schimpft sie. Außerdem entstehe der Eindruck, als werde die Islamkonferenz als neues Instrument der Sicherheitspolitik benutzt - "und dagegen verwahren wir uns".

Friedrich bemüht sich, die Wogen zu glätten. Das sei alles nur ein Missverständnis, sagt er. Es gehe ihm darum, muslimische Verbände zu sensibilisieren, damit sie merken, wenn sich junge Leute abkapseln, "Symptome" für eine Radikalisierung zeigen. Und Vorbilder bräuchten die Jugendlichen - Vorbilder, die sich klar gegen Islamismus aussprechen. Entscheidend sei, junge Muslime davor zu bewahren, "dass sie irgendwelchen extremistischen Rattenfängern auf den Leim gehen". So habe er das gemeint.

Omerika schaut skeptisch. Die Islam-Äußerung missverstanden, die Sicherheitsidee missverstanden? Und das in nicht mal vier Wochen Amtszeit? "Wir mögen ja einen Migrationshintergrund haben", wirft sie dem Minister entgegen, aber so viel verstünden die Muslime nun auch wieder nicht falsch. Auch die anderen muslimischen Vertreter am Tisch verschonen den Minister nicht mit feinen Spitzen.

Friedrichs muntere Miene ist inzwischen gewichen. Seine Stirn legt sich immer tiefer in Falten. Auch die übrigen Mitstreiter auf dem Podium sitzen mit versteinerten Mienen da. Dialog zwischen den Kulturen sieht anders aus.

Die bohrenden Fragen der Journalisten heben die Stimmung nicht gerade. Wie Friedrich denn nun zum Islam stehe, wollen sie wissen - immer wieder. Anfangs erklärt Friedrich noch halbwegs geduldig: Ja, die Muslime seien selbstverständlich Teil der Gesellschaft. Mit dem Islam aber verhalte es sich anders. Deutschland sei schließlich christlich-abendländisch geprägt.

Fragezeichen im Raum: Muslime ja, Islam nein? Ob der Minister etwas zurückzunehmen habe, will ein anderer Nachfrager wissen. Da platzt Friedrich allmählich der Kragen. "Passen Sie mal auf", sagt er, "ich habe nichts gesagt, was falsch ist. Deshalb kann ich auch nichts zurücknehmen."

Die eigentlichen Themen der Islamkonferenz - Religionsunterricht, islamische Studien, Prävention, Imam-Ausbildung - all das kommt da kaum noch vor. Friedrich dürfte sich seinen Einstand anders vorgestellt haben - und die Muslime den Start mit dem neuen Minister auch.


dapd  

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