07.12.2010, 13:22 Uhr | DAPD
Osnabrück (dapd-nrd). Die Farbe Pink mag Orang-Utan Buschi aus dem Osnabrücker Zoo offensichtlich nicht. Durch die Gitterstäbe hindurch reicht er den mit Fingerfarbe bestrichenen Pinsel an die Artenschutzkoordinatorin des Zoos, Ute Magiera, zurück. Buschi sei derzeit nicht gut drauf, sagt sie. Der malende Orang-Utan-Mann sei genervt durch die vielen Kamerateams, die ihn dieser Tage immer wieder malen sehen wollten. Nach wenigen Strichen auf eine Leinwand wendet sich Buschi ab. Er hat keine Lust mehr.
Buschis Werke sind begehrt. 13 seiner Bilder hat der Osnabrücker Zoo seit Mitte November für Preise zwischen 170 und 200 Euro verkauft. 23 Interessenten warten auf Nachschub. Das Geld fließe in das Tapir-Schutzprojekt "Tajya-Saruta" in Ecuador, das der Zoo Osnabrück seit 2003 unterstützt. Mit seiner Malerei helfe Buschi, den amazonischen Regenwald als Lebensraum für einheimische Tierarten zu erhalten, sagt Magiera. Aber der Orang-Utan hat seinen eigenen Willen. "Er ist kein dressierter Affe", betont Magiera. Wenn Buschi nicht malen will, dann helfen auch die Weingummis nicht, die ihm Tierpfleger Andreas Fehring immer wieder anbietet. Er sei halt "sensibel", sagt Magiera.
Buschi wurde am 21. Dezember 1971 im Zoo Osnabrück geboren. Er sei von seiner Mutter nicht angenommen worden und habe daher im Kinderhospital und von Tierpflegern aufgezogen werden müssen, sagt Magiera. "Diese menschliche Zuwendung hat er nie vergessen und er genießt jeden Kontakt mit Menschen." Dazu gehörten ausgiebiges Fellkraulen ebenso wie die kreativen Malstunden mit den Tierpflegern.
Vor 30 Jahren habe Buschi an einem Versuch teilgenommen, bei dem die Intelligenz von Orang-Utans getestet werden sollte, berichtet Magiera. Er habe verschiedene Schlüssel für unterschiedliche Kästen bekommen und schnell die richtigen ausgewählt. Bei diesem Versuch habe man herausgefunden, dass Orang-Utans ähnlich intelligent mit Werkzeug umgehen könnten wie die damals noch als intelligenter eingeschätzten Schimpansen, sagt sie. Damals müsse Buschi wohl auch zum ersten Mal einen Pinsel in die Hand genommen haben, vermutet Magiera.
Dass Affen malten, sei nicht ungewöhnlich, sagt Josep Call, Intelligenzforscher am Leipziger Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie. So malte das Orang-Utan-Weibchen Sita, das bis September 2009 im Krefelder Zoo lebte, einige Bilder, von denen der englische Künstler Damian Hirst gar 22 Stück kaufte. Berühmt ist auch der Londoner Orang-Utan Congo, den der britische Tierpsychologe Desmond Morris 1963 in seiner Untersuchung "Der malende Affe. Zur Biologie der Kunst" beschrieb. Er soll innerhalb von zwei Jahren 400 Kunstwerke gemalt haben. Morris schlussfolgerte: "Wenn ein zeitgenössischer Künstler ein Bild malt, hat er dafür kaum wesentlichere Gründe als ein Schimpanse."
Call sagt, wenn ein Mensch ein Bild male, sei es häufig ein Abbild dessen, was er zuvor gesehen habe. "Das ist bei Orang-Utans ähnlich." Ob die Bilder der Tiere eine Bedeutung hätten, könne er nicht sagen. Die Tierkunst sei aber nicht auf Orang-Utans beschränkt, die in der Obhut von Menschen groß geworden seien. Call berichtet, dass es im Affenhaus im Leipziger Zoo Schimpansen gebe, die einen Pinsel in die Hand genommen hätten, obwohl sie unter Artgenossen aufgewachsen seien. In der Natur seien malende Schimpansen oder Orang-Utans allerdings noch nicht beobachtet worden, sagt Call.
Buschis Bilder sind unter zoo-osnabrueck.de unter den Menüpunkten Artenschutz Forschung und Tierische Aquarelle zu sehen.
DAPD
Acht Flaschen 2007er San Martino plus Dekanter jetzt für nur 49,- € statt 78,10 €. von Hawesko
24,6 cm Tablet-PC mit Android 4.0, 1 GHz Prozessor inkl. Ledertasche für nur 229,- €. bei euronics
Nie wieder offline - endlos surfen & simsen. Nummer mitnehmen und 25,- € sichern. von congstar.de