20.01.2012, 10:18 Uhr | dapd
Für ihre Zukunft im Offenbacher Manroland-Betrieb sehen die Beschäftigten rabenschwarz. Oft in Gruppen und überpünktlich passieren die Mitarbeiter des insolventen Druckmaschinenherstellers am Donnerstagmorgen auf dem Weg zur Frühschicht das Werkstor an der Mühlheimer Straße im Osten der Stadt. "Was ich den Kollegen sagen soll, weiß ich nicht. Ich sehe genauso schwarz wie die meisten hier", sagt ein Betriebsratsmitglied vor Arbeitsbeginn. "Das sieht nach dem Ende aus, was die in Bayern beschlossen haben."
In Augsburg hatte am Mittwoch der Gläubigerausschuss von Manroland getagt und am Abend die geplante Zerschlagung des Druckmaschinenproduzenten bekanntgegeben. Dessen Augsburger Standort soll künftig der Lübecker Possehl-Gruppe gehören, der in Plauen langfristig ebenfalls. Die Geschäftsanteile des Offenbacher Werks soll das Management in einem Buy-out-Verfahren selbst übernehmen und den Betrieb mithilfe eines Investors sanieren. Nötig sind dafür nach Angaben des Insolvenzverwalters Bürgschaften des Landes. Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) will nach eigenen Anhaben "helfen, wo es geht, wenn es geht", dringt aber erst einmal auf ein konkretes Konzept.
Nach Auskunft des Insolvenzverwalters Werner Schneider werden von den jetzt 1.760 Beschäftigten in Offenbach rund 1.000 ihren Job verlieren. "Die Kündigungen sind beschlossen, aber sonst haben die keinen Plan", sagt Manroland-Mitarbeiter Juan Lazlo auf dem Weg zur Arbeit in der Werkshalle. "Mit uns geht das hier ganz den Bach runter", steht für den Monteur fest. Ein 57-jähriger Kollege Lazlos sieht sich bereits auf Arbeitssuche. "Ich kenne die Chancen für einen Mann in meinem Alter", sagt der Werkzeugmacher. "Aber ich habe drei Kinder. Ich muss etwas finden."
"Auch ich bin ab heute auf Jobsuche", erklärt Maschinenschlosser Günther Zoth, der jeden Morgen aus dem Rheingau nach Offenbach fährt. "Ich habe angebaut und seitdem Schulden bei der Bank. Das wird bedrohlich." Der Geisenheimer arbeitet seit 35 Jahren für das Unternehmen. "Und wen sie von uns dann behalten", vermutet Zoth, "den stecken sie in niedrigere Lohngruppen". Am Ende müsse jemand dafür auch noch dankbar sein, kommentiert der Maschinenschlosser sarkastisch.
Am Donnerstagnachmittag wollte die Offenbacher Manroland-Betriebsratsvorsitzende Alexandra Roßel auf einer Zusammenkunft der Belegschaft alle Kollegen über die Augsburger Ergebnisse informieren. Zu einem weiteren Treffen am Montag habe sich auch Insolvenzverwalter Schneider angekündigt, erklärt Roßel. "Dann soll auch jeder von seinem Abteilungsleiter erfahren, ob er seinen Job behält oder wie sich sein Arbeitsplatz gegebenenfalls verändert", sagt die Betriebsrätin.
An fast alle Fenster zur Mühlheimer Straße hinaus haben die Beschäftigten des Offenbacher Werks Plakate gehängt: "Wir sind Manroland. Wir fordern eine Zukunft von der Allianz und MAN". Beide Unternehmen teilen sich bislang noch die Aktienanteile an dem Druckmaschinenhersteller. "Die Plakate können jetzt ab", sagt ein Manroland-Mitarbeiter am Donnerstagmorgen. "Die wollen mit ihrem Geld woanders mehr verdienen."
dapd
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