23.02.2012, 11:48 Uhr | dapd
Für den Mecklenburger Unternehmer Uwe Mülot sind alte, abgefahrene Nutzfahrzeugreifen gut fürs Geschäft. "Ist die Karkasse noch in Ordnung, kann ich jeden Reifen wieder aufarbeiten", sagt der 65-Jährige, der in seiner Jugend Vulkaniseur gelernt und später Gummitechnologie studiert hat. Seit über 40 Jahren leitet er eine auf Runderneuerung spezialisierte Reifenfirma in Lübz, seit fünf Jahren wirbt er im arabischen Raum für die Wiederverwertung alter Reifen. "Es ist anstrengend, aber macht mir Spaß, immer wieder für ein neues Projekt zur Verfügung zu stehen", sagt der Unternehmer.
Als Mülot 2007 zum ersten Mal an einer Umwelttechnik-Messe in Abu Dhabi teilnahm, hatte er kaum eine Vorstellung davon, wie ein Engagement dort hätte aussehen können. "Ich habe nur den riesigen Nachholebedarf der arabischen Länder gesehen. Die Reifen werden gefahren, bis es knallt. Dann werden sie in die Wüste geworfen." Jordaniens Umweltminister meldete sich kurz nach der Messe in Lübz mit dem Wunsch, eine deutsche Spezialfirma zu konsultieren. Es folgten Syrien, Saudi-Arabien, jetzt Tunesien und Marokko.
Mülot zeigt seinen Partnern, wie gut runderneuerte Reifen sind und dass man mit der richtigen Technologie die Laufleistung verdoppeln, ja sogar verdreifachen kann. "Man spart Rohstoffe und schont die Umwelt", sagt Mülot und klopft stolz auf erneuerte Reifen, die sich äußerlich nicht von fabrikneuen unterscheiden.
Seine ersten Geschäftskontakte nach Jordanien hat Mülot gemeinsam mit Abdallah Nassour geknüpft. Der Experte für Abfall- und Stoffstromwirtschaft an der Universität Rostock, der seit 1988 an der Ostseeküste lebt, kennt sich wie kaum ein zweiter mit Entwicklungshilfe-Projekten im Bereich Umwelt und Energie aus. "Forschung und Entwicklung auf diesem Gebiet sind in den arabischen Ländern leider Fremdworte", sagt Nassour. "Gerade kleine Unternehmen können hier gute Geschäfte machen, indem sie Know-how verkaufen."
Von millionenschweren Investitionen rät der Wissenschaftler, der bundesweit etwa 50 Firmen bei Geschäftsbeziehungen in arabischen und afrikanischen Ländern unterstützt, vehement ab. "Man verhandelt ja nicht unbedingt mit armen Ländern, die solche Anschubfinanzierungen nötig hätten, sondern mit nicht gut organisierten Ländern."
Auch Mülot wollte sein eigenes Unternehmen nicht mit großen Investitionen im Ausland in Schwierigkeiten bringen. "Ich demonstriere zum Beispiel in Busbetrieben oder Fuhrparks, was möglich ist. Wenn sie die runderneuerten Reifen für ihre Lkw oder Traktoren als gut empfinden, können wir beim Bau einer eigenen Runderneuerungsanlage beraten", sagt Mülot. Das könne anfangs eine mechanische Anlage sein. "Wichtig ist, die Leute zu schulen, sie zu motivieren", sagt der Unternehmer.
Bislang hätten deutsche Entwicklungshilfe-Projekte gerade in der Abfallwirtschaft oft darin bestanden, eine Anlage zu projektieren und vor Ort zu bauen, sagt Nassour. "Das funktioniert so nicht. Die Qualifikation der Mitarbeiter, ihre Motivation, ihre Bezahlung - das sind oft die Schwachpunkte."
Mülot hat eines in den vergangenen Jahren schätzen gelernt: "Man ist willkommen, das motiviert." Entwicklungshilfe sei immer leicht gesagt und verfolge ein hehres Ziel. Aber es müssten auch beide Seiten etwas davon haben, in seinem Fall hätten sich die Erwartungen auch erfüllt. "Es ist schön, über den Tellerrand zu schauen. Aber es bleibt auch ein ständiges Abenteuer", sagt der Unternehmer.
dapd
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