15.07.2011, 09:13 Uhr | dapd
Berlin (dapd). Die deutsche Medienlandschaft trauert um einen Fernsehpionier: Leo Kirch ist tot. "Unser geliebter Ehemann, Vater, Bruder, Dr. Leo Kirch, ist heute im Kreise seiner Familie friedlich verstorben. Wir sind sehr traurig!", teilte seine Familie am Donnerstag mit. Kirch wurde 84 Jahre alt. Er litt an Diabetes und Herzerkrankungen.
Der gebürtige Würzburger hatte seine Karriere mit dem Handel mit Filmrechten begonnen, darunter für den Klassiker "La Strada". 1984 beteiligte sich Kirch an der Gründung des Fernsehsenders Sat.1 und stieg bald zur beherrschenden Figur des Privatfernsehens auf.
Sein groß angelegter Plan, gemeinsam mit dem Bertelsmann-Konzern (Eigentümer von RTL) einen digitalen Bezahlsender aufzubauen, scheiterte 1990 am Einspruch der Europäischen Kommission und des Bundeskartellamts. An seinem 75. Geburtstag 2001 gehörten die Senderkette ProSiebenSat.1, der Pay-TV-Sender Premiere, Bundesliga- und Formel-1-Rechte, Constantin-Film und Produktionsfirmen und nicht zuletzt 40 Prozent am Verlag Axel Springer zu Kirchs Imperium.
Insolvenz und Prozesse
2001 brachte ihn die Rückforderung eines Kredits von 900 Millionen Mark durch die Dresdner Bank in Schwierigkeiten. Im April 2002 meldete die Kirch Media AG Insolvenz an, wenige Monate später auch die Dachgesellschaft Taurus-Holding und andere Kirch-Beteiligungen.
Kirch warf dem damaligen Chef der Deutschen Bank, Rolf Breuer, vor, ihn gezielt in die Insolvenz getrieben zu haben, als der seine Kreditwürdigkeit in einem Fernsehinterview im Februar 2002 bezweifelte. Der Bundesgerichtshof gab Kirch im Januar 2006 teilweise Recht. Eine Forderung auf 1,3 Milliarden Euro Schadenersatz hatte das Landgericht München aber erst im Februar 2011 abgelehnt. Kirch kündigte sofort Berufung an. Die Ansprüche gegen die Deutsche Bank will Kirchs Familie auch nach seinem Tod noch durchsetzen. Der Medienunternehmer hatte entsprechend vorgesorgt.
Visionär und Gründungsvater des Privatfernsehens
Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU) würdigte seinen verstorbenen Freund in einem gemeinsamen Nachruf mit seiner Frau Maike als bedeutenden Deutschen und wagemutigen Unternehmer. Kirch habe unerreichte Maßstäbe gesetzt und sei ein Visionär gewesen. "Ich habe, wir haben einen wirklichen Freund verloren", schrieb das Ehepaar Kohl.
Kultur- und Medienstaatsminister Bernd Neumann (CDU) nannte Kirch einen der Gründungsväter des Privatfernsehens in Deutschland. Anerkennung habe er sich auch für seine Verdienste um die Filmrestaurierung und -forschung erworben.
Der Chef der RTL Group, Gerhard Zeiler, sagte, Kirch sei "ein großer Unternehmer und ein Vorreiter des deutschen Privatfernsehens" gewesen. "Ich habe ihn als beeindruckenden Menschen in Erinnerung, der trotz seiner Bedeutung immer sehr unprätentiös auftrat."
Die ARD-Vorsitzende Monika Piel würdigte Kirch als einen "Visionär" und "Mann der ersten Stunde", der die deutsche Medienlandschaft nachhaltig geprägt habe.
Medienexperte Norbert Schneider bezeichnete Kirch als einen der "größten deutschen Film- und Fernsehunternehmer". Weniger bekannt sei hingegen Kirchs Engagement als Produzent klassischer Musik gewesen. "Er hat sich auf diesem Gebiet als Mäzen große Verdienste erworben", sagte er.
Kirch hinterlässt seine Frau Ruth und einen Sohn. Details der Beerdigung wurden nicht bekannt. Ein Sprecher der Familie wollte sich weder zum Ort noch zum Zeitpunkt der Beisetzung äußern.
dapd
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